MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Wolfgang Knoch
Leistungsstark und gradlinig: Vom diplomatischen Corps der DDR in das Versicherungswesen der BRD
Dipl.-Afrikanist / Ökonom
Dipl.-Staatswissenschaftler
Versicherungskaufmann
99090 Erfurt OT Tiefthal
1946 in Lichtenbrunn geboren, kam Wolfgang Knoch durch die Arbeitsaufnahme des Vaters in der Maxhütte Unterwellenborn nach Saalfeld. Hier schloss er die 10. Klasse ab, entschied sich für eine Berufsausbildung mit Abitur zum Betriebsschlosser. Da ein Englischlehrer bei ihm eine besondere Sprachbegabung festgestellt und eine berufliche Entwicklung in dieser Richtung empfohlen hatte, informierte sich der junge Wolfgang über bestehende Möglichkeiten für ein ihn interessierendes Studium. Völkerkunde, Geschichte schwebten ihm vor, Afrikanistik entdeckte er schließlich. Völkerkunde, Geschichte und Sprache auf diese Weise miteinander verbinden zu können begeisterte ihn. Die Humboldt-Universität lud zum Aufnahmegespräch ein, doch hunderten Bewerbern standen 15–20 Studienplätze gegenüber. Wolfgang Knoch erhielt eine Zusage, studierte ab 1966 (wegen der Hochschulreform veränderter Studienort) an der Karl-Marx-Universität Leipzig. 1971 war er Diplom-Afrikanist / Ökonom, sprach Suaheli. Im 3. Studienjahr ließ er sich vom Zentralrat der FDJ anwerben für ½ Jahr eine FDJ-Brigade in Sansibar (Entwicklungshilfe, Berufsausbildung Schlosser, Maurer, Klempner) als Dolmetscher zu begleiten. Die Nachhaltigkeit dieser Entwicklungshilfe der DDR beeindruckte ihn, verglichen mit der von westlichen Industrieländern, die mit bloßem Geldfluss Entwicklungen erhofften statt Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Neben seiner Dolmetscher-Tätigkeit gab Wolfgang Knoch noch Unterricht für die jungen Afrikaner – eine befriedigende Aufgabe, da er auf Wissbegierde und Dankbarkeit stieß und er einen einzigartigen Eindruck über Land, Leute und Bräuche erhielt. Zurückgekehrt stellte er Überlegungen zu seinem künftigen Einsatz – nach Studienende – an. Durch die Hallstein-Doktrin und den Alleinvertretungsanspruch der BRD waren die Möglichkeiten auch 1971 noch eingeschränkt. Als das Außenministerium der DDR ihm Zukunft bot, begann er mit einem halbem Jahr Praktikum in der Botschaft in Mogadischu (Somalia) und einem gleichzeitigen außenpolitischen Zusatzstudium an der Akademie Babelsberg. Nach dem Praktikum zurückgekehrt, arbeitete er erst in der Afrika-Abteilung im Außenministerium, ging dann mit der Familie (Frau Brigitte, Unterstufenlehrerin, verheiratet seit 1971, Sohn Matthias, geb. 1971, sorgte für eine Enkeltochter) 1973–1975 in die Botschaft der DDR nach Äquatorialguinea. Arbeit im Außenministerium wechselte fortan mit weiteren Afrika-Einsätzen. Wolfgang Knoch lernte Spanisch und Portugiesisch um den Anforderungen gerecht zu werden. Guinea-Bissau (Stellvertreter des Botschafters) und Tunesien (1984–1987, Botschaftsrat) waren die nächsten Einsätze. Kaderpolitisch als künftiger Botschafter vorgesehen, besuchte er die Parteihochschule (1987–1988, Dipl.-Staatswissenschaftler), kehrte an seinen Arbeitsplatz ins Außenministerium zurück und erlebte hier die politische Wende in der DDR. Die Führung im Außenministerium wechselte, die Mitarbeiter wurden zwar zu Neubewerbungen aufgerufen, jedoch als „systemhörig“ zur Übernahme abgelehnt. Wolfgang Knoch wollte sich auf sich selbst verlassen, kündigte und fing bei einer Versicherung an – eine der wenigen Branchen die nicht politisch geprägt sondern leistungsorientiert ihre Einstellungen vornahmen. Wolfgang Knoch ließ sich zum Versicherungskaufmann schulen, nahm eine schnelle Entwicklung. Bald Geschäftsstellenleiter der Mannheimer blieb er in dieser Funktion bis zu seinem Renteneintritt. Bei Polster & Pohl Reisen GmbH ist Wolfgang Knoch als Reiseleiter aktiv und verbindet so ganz privat seine beruflichen Erfahrungen und sozialen Kompetenzen mit seiner Reise- und Fremdsprachenlust.