MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Harald Knebel
Aus dem Leben etwas machen
Gartenbauingenieur / Rentner
Am Wald 8
09306 Erlau
Fon: 03727 / 640839
Nicht nur die Pflanzen, denen sich Harald Knebel wie Großvater und Vater widmete, blühten und welkten, auch die Firma, von Curt Ernst Knebel 1904 in Erlau (Mittelsachsen) gegründet, erlebte große Zeiten und ein traurig stimmendes Ende. Die Zucht der Phyllokakteen von Curt Knebel war einst weltberühmt, seine Kreationen, seine Bücher sind heute noch dem Fachmann vertraut, doch im Winter 1945/46 war das Gewächshaus nicht mehr zu beheizen, die Pflanzen erfroren. Aber die Liebe zu allem Blühenden hatte er nicht nur dem Sohn, sondern auch dem Enkel Harald vererben können. Dieser, 1940 in Erlau geboren, besuchte die örtliche Zentralschule bis zur 8. Klasse. Nach der Ausbildung im elterlichen Betrieb erlebte er das Wachsen der Firma, auch als diese 1961 in der neu gegründeten Gärtnerischen Produktionsgenossenschaft (GPG) aufging. Stets blieben die Gemüsesorten und Zierpflanzen (zumal in Zeiten sozialistischer Mangelwirtschaft) hoch begehrt, die speziellen Azaleen und Orchideen waren Meisterwerke der Natur und der Gartenbaukunst. Zwar erlebte Harald Knebel auch die Nachteile staatsideologischer Prägung (samt dem fünfmonatigen Versuch sozialistischer Umerziehung unter Zwickauer Knastbedingungen), sah aber ebenso Vorteile in der kollektiven Produktionsweise und organisierter Abnahmegarantie. Der studierte Gartenbauingenieur wusste bei den Mitarbeitern der Genossenschaft weitestgehend traditionell handwerklich orientierte Verantwortungsbereitschaft gegenüber der
Flora und gegenüber den Kunden verankert. Umso bedenklicher wurde die Zeit, als Massenware 1990 nach der Öffnung der Grenzen den Markt überschwemmte. Unterschiedliche Interessen der einstigen Mitglieder führten zu Auflösungserscheinungen innerhalb der Genossenschaft, doch auch Harald Knebel konnte, teils schon gesundheitlich bedingt, durch Bürokratie und Absatzschwierigkeiten verstärkt, den Niedergang nicht mehr aufhalten. Im Jahr 2000 riet ihm der Arzt in Rente zu gehen.
Der Vater dreier Töchter (von drei Partnerinnen) war mit einer Gärtnermeisterin verheiratet, hat sich immer mit der Geschichte des Gartenbaus beschäftigt und erhielt sich bis heute die Freude an allem, was blüht und gedeiht, zumal eine der Töchter in Treuen ihre eigene Gärtnerei betreibt. Verschiedentlich engagierte er sich im Gemeinderat, aber politische Blütenträume sah und sieht er nicht Wirklichkeit werden.