MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Wolfgang Knitter
Berlin, Vogtland und die halbe Welt
Damen- und Herrenschneider
Polizeiangestellter
12351 Berlin
Wolfgang Knitter ist nicht nur in Berlin 1938 zur Welt gekommen, nach vielen Jahren in westdeutschen Landen hat er später nach Berlin zurückgefunden, heute hat er hier seinen Hauptwohnsitz, verbringt jedoch inzwischen viel Zeit auch in seiner späten Liebe, in Plauen im Vogtland.
Nach der Scheidung seiner Eltern fand er mit dem Vater, einem Schneidermeister, in Laatzen bei Hannover neue Heimat, hier beendete er die Schule mit der 8. Klasse, ließ eine Ausbildung zum Damen- und Herrenschneider folgen. Nach ersten Gesellenerfahrungen ging es auf die Walz, in Köln fand er schnell einen Meister, durfte für Adenauer, Strauß und andere Prominenz arbeiten, auch nachts, wenn der Auftrag dringend war. Weitere Stationen waren Berlin, dann Kanada, wo er seinem Bruder zu Hilfe kommen musste, Hannover, wo ihn die Bundeswehr in die Plicht nahm, dann wieder Berlin (West). Hier machte er sich für zehn Jahre mit einer Damenschneiderei selbständig, wurde bekannt für Damenblazer und Kamelhaarmäntel. Als die Auftragslage nachließ, wurde er vom Arbeitsamt in Richtung Textiltechnik geschult, war nun ständig in den Ostblockländern von Rumänien und Ungarn bis Polen unterwegs. Daran scheiterte die erste Ehe, aus der Tochter Sylvia und Sohn Bernd hervorgingen. 1973 wechselte er das Metier, wurde für den Polizeidienst geworben, war als Angestellter kurz im Objektschutz eingesetzt, blieb dann siebzehn Jahre bis zum Renteneintritt aus gesundheitlichen Gründen 1990 Mitarbeiter der Gefangenensammelstelle. Hier hatte er nun die Welt zu Gast, Kriminalität kennt kaum Grenzen und Nationen. Der DDR-Rentner als Ladendieb war zu betreuen, der Senatorensohn aus der Hausbesetzerszene, Steine auf Polizisten werfend, Promis des Boxsports… Der jeweils zwölfstündige Schichtdienst erwies sich dem Familienleben als wenig zuträglich. Mit der Öffnung der Grenzen und eigenem Ruhestand fand er eine neue Beziehung, seitdem ist Plauen Zweitheimat geworden und geblieben, obwohl die Frau vor etlichen Jahren bereits verstarb. Doch Grundstück mit Garten im Tal der Weißen Elster behielten ihren Reiz.
Rentner Wolfgang Knitter freut sich an den drei Enkeln Melani, Madeleine und Melina und hat über Jahre die Welt bereist, so gegensätzliche Länder wie Australien und Russland, Südafrika und China, Brasilien und die USA kennenlernen können. Nur seinem Lieblingsklub Hertha BSC, bei dem er seit langer Zeit Vereinsmitglied ist, blieb er treu. Von seinen Kindern hat er einen Stern am Himmel mit seinem Namen geschenkt bekommen.