MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Wieland Klitzsch
Das Leben ist kein Spaziergang …
Gastronom und Konditormeister
99867 Gotha
… das verspürte Wieland Klitzsch, Jahrgang 1941, schon viele Male.
Geboren wurde er im thüringischen Ilmenau. Der Vater war Förster, die Mutter arbeitete auf einem Bauernhof. „Weil sie an einer Herzkrankheit litt, empfahl ihr der Arzt, ins Gebirge zu ziehen, wo die Luft besser ist. Deshalb kaufte sie 1950 in Brotterode am Großen Inselsberg eine Gaststätte. Nach Beendigung der 8. Klasse wollten meine Eltern, dass ich einen Beruf ergriff, der etwas mit Gastronomie zu tun hatte. Also lernte ich 1956 in Gotha Konditor und absolvierte 1962 im Restaurant ‚Erfurter Hof’ einen Kochlehrgang“, erzählt Wieland Klitzsch. Später arbeitete er in zwei Leipziger Konditoreien. Nach einiger Zeit kehrte er zurück zu seiner kranken Mutter und legte die Prüfungen zum Konditormeister ab. 1969 baute er die Gaststätte seiner Mutter und die Gästezimmer um. „Wir lackierten die alten Betten und schafften weitere Unterkünfte. Da wir einen Vertrag mit einer Handwerkskammer hatten, waren wir immer ausgebucht. Ab 1972 legte der Staat privaten Unternehmern mehr und mehr Steine in den Weg, so dass wir unser Anwesen dem Gewerkschaftsbund FDGB verkauften. Dort war ich noch zwei Jahre angestellt“, sagt Wieland Klitzsch. Danach fanden er und seine neue Partnerin Karin ein geeignetes Haus, in dem sie eine kleine Imbiss-Stube einrichten konnten. 1982 bauten sie das Haus zu einer Speise-Bar für 25 Gäste um. So etwas gab es in der DDR noch nicht. 250 bis 300 Essen wurden täglich zubereitet. Vor allem Kraftfahrer und Handwerker kehrten ein. „Ab 1995 lief das Geschäft nicht mehr so gut, weil die Konkurrenz zunahm. Da hatte ich die Idee, eine ‚richtige’ Gaststätte mit 50 Plätzen herzurichten. Wir nahmen einen Kredit auf, modernisierten den Gastraum, die Küche und die Sanitäranlagen. Anfang 1996 nahm sich einer meiner beiden Söhne, nämlich der, der Koch war und die Geschäfte übernehmen sollte, das Leben. Unsere Nerven lagen blank. Es lief nichts mehr rund bei uns. Bis 2008 leitete ich die Gaststätte allein. Ein Jahr danach verstarb meine Lebensgefährtin, 2011 knipste ich das Licht aus. Jetzt führt meine Tochter eine kleine Pension mit 18 Betten in einem Haus, das ich schon 1988 erworben und dann saniert hatte.“, berichtet der vierfache Opa. Seitdem hat er mehr Zeit für die Familie. Immer nach vorn schauen ist seine Devise, auch wenn das Leben kein Spaziergang ist.