MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dipl.-Ing. Manfrde Kluger
Wenn ein „Staatsfeind“ mit dem „Klassenfeind“ verhandelt
Patentassessor
Oberingenieur / Dipl.-Ing.
Maschinenschlosser / Ingenieur für Elektrotechnik
Jurist und Pädagoge für Patentschutz
Ermischstr. 19
01067 Dresden
1933 erblickte Manfred Kluger in Dresden das Licht der Welt, wuchs im ältesten Haus der Straße auf. Von 1939 bis 1947 saß er auf der Schulbank. Weil Jahre später der Krieg nach Deutschland kam, musste er die Schule häufig wechseln. „Ich überlebte alle acht Bombenabwürfe auf Dresden. Der schwerste Angriff war im Februar 1945, als die Stadt in Schutt und Asche fiel. Ich überstand aber auch das komplizierte Aufnahmeprocedere für das Gymnasium, lernte auf hohem Niveau und legte 1951 das Abitur ab“, erinnert sich Manfred Kluger. In einem Zittauer Textilbetrieb absolvierte er die Lehre zum Maschinenschlosser und bestand die Facharbeiterprüfung mit Auszeichnung. Aber der gebürtige Sachse wollte mehr. An der Technischen Hochschule seiner Geburtsstadt studierte er Elektrotechnik in der Fachrichtung Schwachstrom und Hochfrequenztechnik, wurde 1959 Diplom-Ingenieur.
Im Anschluss daran arbeitete Manfred Kluger in der Patentabteilung der Luftfahrttechnik und kam zu der Erkenntnis: „Genau das ist es, was ich will!“ Ein Jura-Fernstudium in Berlin verwehrte man ihm. „Ich erhielt eine Anklage wegen angeblicher Hetze gegen die DDR. Ein Parteisekretär hatte mich denunziert, weil ich einige ökonomische Sachverhalte kritisierte. Obwohl das Gericht die Anklage teilweise zurückgenommen hatte, kam ich 1960 in den Strafvollzug“, erzählt Manfred Kluger. Nach einem halben Jahr kam er frei, fing im Zentrallabor für Rundfunk und Fernsehen Dresden als Patentingenieur an. Er nahm an Tagungen teil, hielt Vorträge, wurde erneut zum Jura-Fernstudium delegiert und wurde Fachingenieur für das Schutzrechtswesen. Seitdem galt Manfred Kluger als d e r Mann für Patentrechte, wurde von vielen Betrieben angefordert. „Mitte der 60er Jahre führte ich Lizenz-Verhandlungen mit französischen Partnern, um das Farbfernsehsystem SECAM in der DDR einführen zu dürfen – mit Erfolg. Die Auszeichnung mit der ‚Verdienstmedaille der DDR’ wurde wegen meiner damaligen ‚Staatsverleumdungen’ abgelehnt; nicht aber die Ehrung zum Oberingenieur“, schmunzelt Manfred Kluger. Außerdem nahm er an der Leipziger Universität ein Fernstudium zum Pädagogen für Schutzrechtswesen auf, erhielt ein weiteres Abschlusszeugnis. An der Kammer der Technik verbesserte er sein Englisch und arbeitete als Fachübersetzer.
Jetzt hat er mehr Zeit für Ehefrau Irmgard, für die Söhne Kai-Enno und Lars-Detlef sowie für seine fünf Enkel.