MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Fritz und Christine Klemm
Geschichten, die das Leben schreibt.....
Staatlich geprüfter Landwirt i. R.
Bürgermeister i. R.
Stenotypistin i. R.
Schusterberg 15
09306 Erlau OT Crossen
Fon: 03727 / 91776
Als Sohn von Tagelöhnern 1939 in Obersaida geboren, verlebte Fritz Klemm seine Kindheit in dem heute bewohnten Haus. Er erinnert sich noch an die schwere Arbeit der Eltern und deren Verdienst – ein Stundenlohn von 18 (Mutter) und 24 (Vater) Pfennig. „Wir waren damals Selbstversorger, lebten vom Deputat und den Erträgen von Garten und bewirtschaftetem Berghang mit drei Familien in dem kleinen Haus,“ erzählt er. 1945–1953 besuchte er die Schule in Crossen. Zeit sich mit dem Jungen, seinen Schulaufgaben, seiner Lernentwicklung zu beschäftigen, hatten die Eltern nicht. Er war viel auf sich alleine gestellt, hatte viele Freiheiten, aber auch zeitig Verantwortung zu tragen. „Wenn ich krank war, kam in den Handwagen ein Kissen und eine Decke, ich hinein und mit aufs Feld, oder zu Nachbarn...“ berichtet er. Der Vater hatte nach dem Krieg im Zuge der Bodenreform mit fünf Hektar Land, einem Handwagen, einem Spaten, einer Kuh und einem Schwein und einem „halben“ Pferd (gemeinschaftliche Nutzung mit dem Nachbarn) eine Landwirtschaft begonnen und benötigte dringend die Hilfe seines Sohnes. Ausbilden durfte er den eigenen Nachwuchs jedoch nicht. So führte der Weg zwar in die Berufsschule (1953¬–1955), doch ohne Lehrling zu sein, denn praktisch gearbeitet wurde auf dem väterlichen Hof. Letztendlich gelang es doch den Facharbeiterbrief zu erhalten und eine Meisterausbildung zum Feldbaumeister (1956/57) anzuschließen. Mit 18 Jahren Meister, heiratete er sehr früh (Frau 1992 verstorben, zwei Töchter) und besuchte 1958–1963 die Landwirtschaftliche Fachschule in Rochlitz. Er erlangte hier nebenher die Mittlere Reife. Der 1952 einsetzenden Kollektivierung in der Landwirtschaft folgte am 04.09.1959 der eigene Beitritt in die LPG (Typ III) „Frieden“ in Crossen und fortan seine Arbeit in dieser Genossenschaft (Handarbeit, Brigadier). Die Einberufung zur Armee unterbrach diese 1963–1964 vorübergehend. Nach der Rückkehr erwarb er den Lkw-Führerschein sowie Berechtigungen für landwirtschaftliche Großmaschinen und wurde 1965 als Feldbaubrigadier eingesetzt. 1972 – mit Gründung der Kooperativen Abteilung Pflanzenproduktion Nauendorf – trug er Verantwortung als Bereichsleiter für 4000 ha Land. Die Wende und damit verbundene Forderung auf Umwandlung der LPG sowie einhergehende Arbeitskräftereduzierung einerseits und andererseits sein bereits seit 1967 andauerndes Engagement im Gemeinderat als stellvertretender Bürgermeister, führten letztendlich 1990 zu seiner Wahl in das Bürgermeisteramt. Bis 1994 so hauptamtlich tätig, begleitete er die Gemeindereform, unterlag dann aber bei der Neuwahl und wurde arbeitslos. Beschäftigungslos war er nicht, widmete sich nun der Hausmodernisierung und seinen Ehrenämtern im Landseniorenverband, der Flurneuordnung und als Vorsteher der Jagdgenossenschaft. 1994 fand er in seiner heutigen Frau Christine neues Glück. Sie, 1945 geboren (zwei Söhne aus 1. Ehe), durchlief nach Abschluss der 10. Klasse eine Ausbildung zur Stenotypistin und war in der Weberei / Wäscheunion Mittweida in 30 Jahren in verschiedenen Bereichen Abteilung Absatz / Importe als Bereichsleiterin / Gruppenleiterin tätig. Nach der Wende zur Betriebsabwicklung mit eingesetzt, hatte sie Glück: In den Räumlichkeiten eröffnete ein Steuerberater seine Kanzlei. Sie wurde aushilfsweise tätig und später als Büroleiterin übernommen, arbeitete hier noch zehn Jahre lang. Familie Klemm hat Glück in der Gemeinsamkeit gefunden, die mit Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Verzeihen, aber auch Zielstrebigkeit und Gewissenhaftigkeit einhergeht. Auf die Kinder und neun Enkel sind beide stolz. Für sie wollen sie da sein, die Erinnerungen (Fotochroniken für Senioren und Vereine) und das Anwesen erhalten. Christine Klemm liebt den Frühling und die Blumen, Fritz Klemm zieht es in die Natur, in Wald und Feld. Beide wünschen sich noch lange gesund ihre vielen familiären, freundschaftlichen und sozialen Kontakte pflegen zu können.