MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Johanna Klemm
„Johanna, sei leise!“
Köchin und Verkäuferin i. R.
Unnaer Str. 42
04720 Döbeln
Viele lustige Episoden begleiten ein Leben, das eher von Härte bestimmt war. Besonders die Kindheit hat sie noch lebhaft vor Augen. Geboren am 29.12.1934 in Döbeln, spielte sie als Mädchen vorwiegend mit den Jungs ihrer Straße. Sie trieb so manch Unsinn, liebte es, auf Bäume zu klettern und pfiff gern vor sich hin. Dies gefiel Fräulein von Leonhard, die in ihrem Haus wohnte, gar nicht. Auch kam oft deren Dienstmädchen hinter ihr her und tat kund: „Johanna, sei leise! Das Fräulein leidet unter Migräne.“
Den Besuch der ersten Klasse musste sie krankheitsbedingt abbrechen. Ein Jahr später erneut eingeschult, war sie traurig, dass sie nicht noch einmal eine Zuckertüte bekam. Heute lacht sie darüber.
Nach Schulende begann Johanna Klemm in der Kunstharzabteilung der Metallwarenfabrik. Ein Betriebsunfall führte zur Versteifung der Hand. In dieser Abteilung konnte sie nun nicht mehr arbeiten und wechselte als Laufmädchen ins Büro. 1952 zog sie nach Hartha, fuhr noch eine Weile nach Döbeln und begann danach im Stoßdämpferwerk.
Ihr Bruder war oft mit seinem Freund Erich unterwegs. So lernte sich das junge Paar kennen und im Wonnemonat des Jahres 1953 heiratete sie ihren Erich. Ihr erster Sohn Jürgen ist ein Geschenk der Hochzeitsnacht. Klaus, Peter und Elke sollten folgen und heute hat Johanna Klemm 10 Enkelkinder. Ihr Mann starb 2003.
Er war Heizer und Hausmeister. Immer auf Suche nach besserem Lohn, war er an verschiedenen Orten beschäftigt, was häufige Umzüge zur Folge hatte. Für Johanna Klemm bedeutete dies, sich stetig neue Arbeit zu suchen. Sie arbeitete u. a. in einer Hausschuhfabrik sowie in den Küchen eines Kindergartens und eines Krankenhauses. Diese Tätigkeit führte letztendlich in ihre Berufsausbildung zur Köchin. Mit 47 Jahren drückte sie nochmals die Schulbank.
Ein letzter Umzug führte zu ihren Wurzeln zurück. Sie lebt wieder in Döbeln, ist glücklich darüber und liebt ihre Heimat bis heute. Sie begann als Köchin in der Werkzeugmaschinenfabrik „Rasoma“. Heimgesucht von Krankheit, stellte sie sich nach ihrer Genesung nochmals einer Herausforderung, schulte zur Verkäuferin um und fand einen neuen Arbeitsplatz in einem Papier- und Taschengeschäft. Noch kurz in einer Sattlerei angestellt, ging sie 1992 in den Vorruhestand.
Sie ist stolz darauf, während ihrer Lebensgestaltung ohne fremde Hilfe immer wieder in neuen Berufen Fuß gefasst zu haben. Doch nun genießt sie die Reize des Rentnerlebens. Mit ihrer Freundin, mit der sie ebenfalls der Schalmaien- und Wandergruppe angehörte, geht es auf Reisen. Das Zillertal liegt gerade hinter ihr. Der nächste Urlaub führt an den Rhein und dort kann in aller Ruhe über das nächste Reiseziel nachgedacht werden.