MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ludwig Klimpel
Von fachlicher Kompetenz und bürokratischer Ungerechtigkeit
06366 Köthen
Ludwig Klimpel, 1931 geboren, entging als 14-jähriger knapp dem Schicksal andere Jugendlicher, die Panzersperren errichten mussten, zur Wehrmacht eingezogen wurden. Doch seine Familie hatte 1945 das Sudetenland zu verlassen, musste sich neu ansiedeln, Wohnung und Auskommen finden. Der Vater war in Kriegsgefangenschaft, auf der Mutter lastete die alleinige Verantwortung. Für Ludwig Klimpel bedeutete das, auf die Weiterführung der unterbrochenen Gymnasialausbildung zu verzichten, mit Gelegenheitsarbeiten zum Unterhalt der Familie beizutragen. Nicht das, was ihn befriedigt hätte und so suchte er sich eine Lehrstelle als Friseur, schloss diese Ausbildung 1947 ab und arbeitete als Geselle im Beruf. Als sein Vater aus der Gefangenschaft zurückkehrte, nahm er zum Broterwerb wieder seine musikalische Tätigkeit auf, gründete eine Kapelle, die nachmittags Unterhaltungsmusik und am Abend Tanzmusik spielte. Ludwig Klimpel fand über ihn den Weg zurück in die Musik, die er bereits seit jungen Jahren mit dem Spiel von mehreren Instrumenten auslebte. 1957 löste sich die Kapelle auf. Er arbeitete seitdem im Bergbaubetrieb Gölzau und wurde Mitglied des Werksorchesters. Seine heutige Frau Helga hatte er kennengelernt, weil die Familie Klimpel im Ort dafür bekannt war auch Instrumentalunterricht zu geben und sie einen Akkordeonlehrer suchte. Sie war es auch, die ihn anspornte seine musikalischen Fähigkeiten mit Entwicklung zu verbinden, sich zum Lehrer für Musik ausbilden zu lassen. So kam es, dass Ludwig Klimpel 1959–1962 am Institut für Lehrerbildung studierte, Grundschullehrer wurde und 1963–1964 eine Fachlehrerausbildung zum Musiklehrer für die Klassen 5 bis 10 anschloss. 33 Jahre arbeitete er im Beruf, als die Wende kam. 20 Jahre war er als Fachberater für das Fach Musik aktiv. 1989 war er zum Oberlehrer berufen worden. Und trotzdem: Die Wende brachte nicht nur politische Überprüfungen, fachliche Infragestellungen, sondern auch Ungerechtigkeiten mit sich. Seine Ausbildung zum Fachlehrer für Musik wurde nicht anerkannt. Das nicht in der Hinsicht, sie nicht mehr ausüben zu können, sondern in der, sie auch zu bezahlen! 1965–1983 an der Wolfgang-Ratke-Schule lehrend, 1983 bis zur Wende an der Otto-Grotewohl-Schule aktiv, war er – nach Auflösung des dortigen Kollegiums – für die Schule in Quellendorf und die Markt-Schule in Köthen in den Klassen 5–10 sowie für kurze Zeit in einigen Klassen des Gymnasiums in Köthen tätig, jedoch zum Grundschullehrer-Gehalt. Diese Ungerechtigkeit einerseits, die „Be“nutzung seiner Fähigkeiten andererseits führten zu seinem Entschluss mit dem 63. Lebensjahr in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen. Seiner Musik blieb er treu, gehörte fortan dem Orchester der Musikschule Köthen an, bis er aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste. Heute freut er sich an der Entwicklung seiner drei Kinder, sieben Enkel und zwei Urenkel und genießt mit Ehefrau Helga die freie Zeit.