MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dr. med. Erika Kleine-Natrop
Frühes Ende einer hoffnungsvollen Karriere
Schillerstraße 4f
01326 Dresden
Dr. med. Erika Kleine-Natrop genießt einen ruhigen Lebensabend. An den Rollstuhl gefesselt, seit fast 25 Jahren verwitwet, betrachtet sie ihr Leben zwar mit einigem Abstand, aber sie hadert nicht mehr mit ihrem Schicksal. Dennoch: „Wenn ich wieder richtig laufen könnte, das wäre schön.“
Im Leben der 1933 geborenen Ärztin verlief nicht alles nach Plan. Trotzdem ging sie ihren Weg. Ihr Vater verdiente den Lebensunterhalt der Familie als Flugzeugbauer, erzählt die Seniorin, die in Köln das Licht der Welt erblickte. Bereits 1934 zog die Familie um nach Warnemünde, 1936 schließlich nach Dessau, wo der Vater in den Junkerswerken arbeitete. Im anhaltinischen Dessau wuchs die Tochter trotz Krieges wohlbehütet auf, besuchte die Grundschule und das Antoinette-Lyzeum.
1945 war der Krieg zu Ende, doch für die Familie von Erika Kleine-Natrop ging der Schrecken weiter. Der Vater wurde als Flugzeugbauer zwangsumgesiedelt, die Tochter mit. In Russland setzte sie ihre Schulausbildung fort und erwarb das Reifezeugnis, fernab der Heimat. Erinnerungen an diese Zeit gibt sie nicht gern preis. 1952 kehrte sie als junge Frau nach Deutschland zurück, studierte in Leipzig Medizin, promovierte 1958 und kam danach nach Dresden.
Hier an der Hautklinik der Medizinischen Akademie vollendete sie nicht nur ihre Facharztausbildung (1963), sie lernte auch ihre große Liebe kennen. „Er war mein Chef“, verrät sie schmunzelnd. Bereits 1960 wurde geheiratet, drei Jahre später wurde das erste Kind, Tochter Gesina, geboren. 1965 folgte Sohn Georg. Die junge Familie zog um nach Loschwitz.
Dr. Erika Kleine-Natrop, bis 1965 an der Hautklinik arbeitend, plante eigentlich eine Praxis zu eröffnen. Dazu kam es nie. „Ich fühlte mich als Ehefrau und zweifache Mutter, mit Haus und Garten genügend ausgelastet“, erinnert sie sich. Deshalb kehrte die Ärztin zunächst nicht in ihren Beruf zurück, später verhinderten gesundheitliche Probleme diesen immer wieder aufgeschobenen Schritt. Ein Schlaganfall und eine Wirbelsäulenoperation zwangen sie schließlich in den Rollstuhl.
Heute verbringt die sympathische wie geduldige Frau einen Großteil ihrer Zeit mit Lesen. Sie erfreut sich an ihren Enkelkindern und ihren Kindern, die in die Fußstapfen der Eltern getreten sind. Die Tochter, Dr. Gesina Homsel, ist Oberärztin an der Hautklinik in Dresden-Friedrichstadt. Der Sohn, Dr. Georg Kleine-Natrop, ist Anästhesist im Diakonissenkrankenhaus.