MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Elisabeth Kleim
„Meine Kinder und ich“
Lehrerin
04639 Ponitz
Wenn Elisabeth Kleim voll Stolz von ihren Kindern spricht, dann meint sie selbstverständlich die Tochter und den Sohn, die sie allein großziehen musste, doch gehört ihr freudiges Erinnern genauso den vielen jungen Menschen, denen sie als Lehrerin Wissen mit auf den Weg geben konnte. Geboren wurde sie 1935 in Gößnitz (Ostthüringen). Die Eltern waren Selbständige, der Vater mit einer Klempnerei, die Mutter mit einem Geschäft für Haus- und Küchengeräte. Als die junge Elisabeth 1949 die 8. Klasse der Schule verlassen musste, hatte sie keine Möglichkeit eine höhere Schule zu besuchen. Der Grund der Ablehnung bestand darin, ihre Eltern waren keine Arbeiter oder Bauern sondern Geschäftsleute und Christen. Aus eigener Entscheidung begann sie eine Berufsausbildung in einem Textilbetrieb. Nach Abschluss der Lehre als Textilfacharbeiterin hatte sie die Möglichkeit ein Studium zu bekommen. Jetzt war sie Arbeiterin. Die gerade 16jährige Elisabeth hörte von der Möglichkeit, eine Ausbildung zur Neulehrerin machen zu können. Die 1951 begonnene Schnellausbildung am Institut für Lehrerbildung in Altenburg zur Unterstufenlehrerin dauerte zwei Jahre, dann ging es schon in die harte Praxis. Die Verpflichtung, dorthin zu gehen, wo der Staat einen brauchte, führte sie in den kleinen Ort Cöllnitz ins Südleipziger Braunkohlentagebaugebiet. Nur war ihre Wohnung im benachbarten Groitzsch, den langen Weg ging es zu Fuß, erst nach einem dreiviertel Jahr erhielt sie den Bezugsschein für ein Fahrrad. In der kleinen Schule wurden die Klassen 1 bis 4 in einem Raum unterrichtet, auch daran musste sie sich erst gewöhnen, ihre Ausbildung war auf getrennte Klassen ausgerichtet gewesen. In Cöllnitz unterrichtete sie vier Jahre, nahm damals wie auch oft in den Folgejahren in den Sommerferien an Weiterbildungen teil, um die Nachteile der Schnellausbildung auszugleichen. 1957 wechselte sie nach Ponitz an die dortige Geschwister-Scholl-Oberschule, während ihr Mann Horst (Heirat 1956), aus dem Ort Crawinkel im Thüringer Wald stammend, im Nachbarort Grünberg unterrichtete. Doch ließ sein früher Tod 1962 sie mit den beiden Kindern (Ines, 1957 und Michael, 1960) zurück. Elisabeth Kleim blieb in der Schule engagiert, erweiterte ihr Spektrum um Kunsterziehung, musste jedoch erleben, dass ihr die Unterrichtstätigkeit untersagt wurde, als sich ihr Sohn Michael für die theologische Laufbahn am kirchlichen Ausbildungsinstitut in Naumburg entschied (er wirkt heute als Pfarrer in Gera). Sie wurde nur noch für die Hortbetreuung eingesetzt, gab nur gelegentlich Vertretungsstunden oder betreute den Kunstunterricht. Mit dem Ende der DDR 1990 war diese Praxis zwar beendet, doch war mit der Verabschiedung in den Vorruhestand 1991 ihr berufliches Leben vollbracht. Der eigentliche Ruhestand, das Rentendasein begann 1995. Mit ihrem neuen Lebensabschnitt fing auch ein anderer Tagesablauf und Lebensrhythmus an. Jetzt hatte sie Zeit für ihre Familie mit den Kindern Ins und Michael. Ihr größtes Glück sind die Enkel Sophie (1985), Johannes (1986), Hermine (1991) und Gwinda (1996). Ihr Garten, den sie seit 1970 bearbeitet und pflegt ist jetzt ein Platz der Ruhe, Erholung und Entspannung. Nun blieb der Verehrerin des großen Johann Sebastian Bach mehr Zeit für ihre musischen Freuden beim Lesen und Malen, beim Besuch von Theater und Konzerten.