MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Barbara und Gerhard Kirschberg
Mit Taten sei ein Leben erfüllt, nicht mit untätigen Jahren.“ (Ovid)
Melkerin / Wirtschaftsgehilfin
Melker
Hauptstr. 18
04703 Leisnig OT Tragnitz
Gerhard Kirschberg wurde 1952 als eins von acht Kindern geboren. Die Mutter war im Straßenbau beschäftigt, der Vater (gelernter Eisenbahner) betrieb eine Gaststätte. „Wir hatten keine schöne Kindheit“ berichtet Gerhard Kirschberg heute. Er begründet das mit der Trennung der Eltern und einem boshaften Stiefvater. „Von ihm haben wir mehr Schläge als Essen bekommen“, sagt er. Mit acht Jahren musste er deshalb bereits in der Landwirtschaft arbeiten, „ein paar Pfennige mitverdienen, damit die Familie leben konnte“, wie er erzählt. Die Großmutter war der Lichtblick in dieser Düsternis. Die Zeit bei ihr liebte der junge Gerhard. Die Mutter ging in den Westen, ließ die Kinder zurück. Zwei Jahre verbrachte er dadurch in einem Kinderheim. In ihm wuchs der Wunsch: „Meiner Familie soll es einmal nicht so gehen, wie mir.“ Schnell wollte er das Elternhaus verlassen, in dem die Mutter sich nicht kümmerte, der Stiefvater wenig arbeitete, mehrfach inhaftiert war und er mit nur 12 Jahren die Verantwortung übernehmen musste für Geschwister und die Ernährung der Familie. Kleine Freuden wie der Musikunterricht wurden ihm entzogen, weil die Eltern die 20 Pfennig Bus-Geld nicht erübrigen wollten. Manche Tage durfte er nicht in die Schule, damit die blauen Flecke der Prügel nicht auffallen oder weil er die Geschwister beaufsichtigen sollte. Nach der Schule arbeitete er täglich vier Stunden in der LPG und von den sechs Mark, die er dafür bekam, ging er auf dem Nachhauseweg Lebensmittel für die Familie einkaufen. Mit 15 Jahren – und durch sein Vorleben guter Praxiserfahrung in der Landwirtschaft – lernte er in der LPG Stockhausen den Melker-Beruf und war froh den häuslichen Bedingungen entfliehen zu können. Endlich konnte er sich entfalten, wurde einer der besten Lehrlinge. Während eines Wintereinsatzes stellte die LPG Arbeitskräfte an die Kohle ab. Für Gerhard Kirschberg privat ein besonderes Ereignis, lernte er hier doch seine Frau Barbara kennen (geb. 1952, Wirtschaftsgehilfin). Geheiratet wurde 1973. Die Kinder Enrico (geb. 1973, Maurer), Peggy (geb. 1974, Einzelhandelskauffrau) und Mandy (geb. 1985, Restaurantfacharbeiterin, Arzthelferin) bereicherten bald die kleine Familie, sorgten später für sechs Enkel. Gerhard Kirschberg leistete seinen Armee-Pflichtdienst, war in verschiedenen Milchviehanlagen tätig. Die Wechsel von einer LPG zur anderen waren begründet mit Veränderungen der Verdienstmöglichkeiten, familiären Erfordernissen und betrieblichen Zuständen. 1976 übernahm er den Milchvieh-Stall der LPG Brösen, lernte seine Frau an und arbeitete fortan mit ihr gemeinsam dort bis zur Wende. Die kleinen Ställe wurden geschlossen, ein großer neu eröffnet. 1992 wurde Barbara Kirschberg arbeitslos, er selbst beendete 2006 seine Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen. Er war froh darüber, denn die Tierhaltung hatte sich sehr negativ verändert. „Ich konnte das kaum noch mit ansehen“, berichtet er. Die Kirschbergs sind stolz auf das Erreichte und besonders auf den familiären Zusammenhalt. „Bei uns ist jeden Tag was los. Immer ist jemand da. Alle kommen gerne, und gut miteinander aus. Wir haben das geschafft was wir gewollt haben!“ lautet das Lebensresümee von Gerhard und Barbara Kirschberg, denen Familie und Heimat alles bedeuten und die täglich anderen Hilfe leisten um die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen, denn nicht immer geht es gerecht in ihr zu.