MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Heidrun Klahr
Einkäuferin in der „Weltfirma“
Elektromechanikerin
Wirtschaftskauffrau
Hinter dem Dorfe 18
07751 Jena
Fon: 03641 / 825034
Wenn Heidrun Klahr von der „Weltfirma“ spricht, dann meint die gebürtige Jenenserin ihren früheren Arbeitgeber Carl Zeiss Jena. „Ganz klar für Einheimische“, erklärt die nette Thüringerin diese Bezeichnung. In ihrer Heimatstadt 1944 geboren, aufgewachsen und zehn Jahre zur Schule gegangen, lernte sie bei Zeiss Elektromechanikerin. Die Ausbildung dauerte drei Jahre, danach wurde die junge Frau erst mal am Band eingesetzt und setzte Geräte, sogenannte Baugruppen, zusammen. „Es war zwar Fließbandarbeit, aber keinesfalls uninteressant“, beschreibt Heidrun Klahr ihren Berufseinstieg. Seit 1966 verheiratet mit Udo Klahr, einem zugezogenen Jenaer, mit dem sie zwei Töchter (Heike, geboren 1967, und Marion, geboren 1970) hat, tauschte Heidrun Klahr ihren Arbeitsplatz gegen einen im Büro der Zentralen Materialwirtschaft von Zeiss ein. Sie arbeitete sich gut ein, wurde Disponentin und Einkäuferin. Heidrun Klahr kniete sich rein und bekam aufgrund ihrer guten Arbeit einen betriebsgebundenen Fachschulabschluss zuerkannt. Sie stieg zur Komplexbearbeiterin auf und vermittelte ihr Wissen und die Berufserfahrungen an jüngere Mitarbeiter weiter. Nach der Wende wurde sie auf Kurzarbeit null gesetzt, denn ihr Bereich wurde aufgelöst. Heidrun Klahr absolvierte eine EDV-orientierte Weiterbildung, die ein Jahr lief. Dann suchte sie sich eine neue Arbeit – reagierte auf eine Ausschreibung der Universität Jena. Drei Jahre lang war sie als Sachbearbeiterin für Investition dort beschäftigt und kaufte Möbel für die Uni ein. In einem großen Einkaufspark ihrer Stadt arbeitete Heidrun Klahr bis 2006 für eine Nürnberger Genossenschaft für Spielwarenhändler. Sie brachte es bis zur stellvertretenden Marktleiterin. Heute lebt die Rentnerin mit ihrer Jugendliebe Udo Klahr glücklich in Jena, bewirtschaftet mit ihm Haus, Hof und Garten. Das Paar hat inzwischen vier Enkelkinder und ist seit einem halben Jahrhundert miteinander verheiratet. Wer hätte das gedacht, zumal Udo Klahr aus Schlesien stammt, dann in Hannover wohnte und wegen seiner Heidrun oft in der DDR zu Besuch weilte. Sogar die Stasi hatte sich in das Leben der Beiden gedrängt, um Heidrun zur Mitarbeit zu gewinnen. Das aber hat die Wirtschaftskauffrau immer kategorisch abgelehnt, dennoch fiel ihr das Thema Stasi nach 30 Jahren auf die Füße. Warum sonst wollte die Uni Jena ihre Einkäuferin nach drei Jahren wieder loswerden? Dabei hatte sie mit der Stasi niemals etwas zu schaffen. „Ich habe einen Mann geheiratet, der kurz vor dem Mauerbau noch in den Westen ging, dort fünf Jahre blieb und mir zuliebe in die DDR zurückkehrte“, sagt Heidrun Klahr. Sie hat sich bis heute ein Lebensmotto bewahrt. Es heißt: „Was mich nicht umhaut, macht mich stark.“ Mit ihrem Udo, beide sind sie Familienmenschen, will die gutmütige und hilfsbereite Frau, die sehr gerne kocht und bäckt, noch lange gesund bleiben und schöne Jahre zusammen verbringen.