MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

Gesamte Liste anzeigen

Günter Kirsten

Gelernt, gelehrt, Erfahrungen gesammelt und auf der Lebens-Zielgerade angekommen

Günter Kirsten

Fichtenbreite 101
06846 Dessau-Roßlau
Fon: 0340 / 613149

Früher tickten die Uhren anders, ging alles etwas schneller, mussten sehr junge Menschen Erwachsenenaufgaben übernehmen, obwohl sie selbst noch halbe Kinder waren. So auch Günter Kirsten. 1937 geboren, lernte er nach Abschluss der 8. Klasse im Kompressorenbau Bannewitz zwei Jahre den Beruf Maschinenschlosser und hielt mit nur 15 Jahren bereits seinen Facharbeiterabschluss in den Händen. Nach der Lehre arbeitete er noch vier Jahre im Betrieb, leistete dann einen vierjährigen Dienst bei den Luftstreitkräften. Eine Zeit, in der er erneut auch die Schulbank drückte. Auf der Mechaniker-Schule in Kamenz wurde spezielles Wissen vermittelt. Versetzt in die Truppe, konfrontierte man ihn mit der Möglichkeit selbst Flugzeugführer zu werden. Seine Bewerbung wurde positiv entschieden. Ab 1959 nach Dessau versetzt, lernte er Theorie und bekam Praxis auf der AN 2. Ein Jahr später erfolgte die Umschulung auf die IL 14. Mit Ausscheiden aus den Streitkräften endete zwar die aktive Fliegerei für ihn, die Liebe zum Fugwesen jedoch nicht. Heute lebt er sie indessen bei der Modellfliegerei aus, innerhalb des Modellflugvereins „Hugo Junker“ e. V. Dessau-Rodleben. Beruflich ging es im Waggonbau Dessau weiter. Mit Schweißerprüfungen und Meisterlehrgang (Abschluss 1968 als Volkseigener Meister) schaffte er Voraussetzungen für seine Tätigkeiten, arbeitete schließlich als Schichtmeister mit geringem Lohn (515 Mark netto). Zu wenig für den Unterhalt der inzwischen gegründeten Familie. 1961 hatte er seine Frau Helga geheiratet (Betriebsschlosserin, Verkäuferin und 29 Jahre Arbeit im Paß- und Meldewesen bis 1997), die Kinder Ralf und Irina waren geboren. Sein ehemaliger Fluglehrer vermittelte eine Stelle als Lehrmeister im Strafvollzug mit deutlich besserer Bezahlung. Die Arbeit im Jugendwerkhof / Jugendstrafanstalt war eine Herausforderung, aber auch eine zufrieden stellende Arbeit, wenn erreicht wurde, dass Facharbeiter die Strafanstalt verließen, die sich durchaus mit denen aus dem zivilen Bereich messen konnten. Von 1972–1998 war Günter Kirsten so tätig, ging dann in den Ruhestand. Die Wende erlebte er als ganz schlimme Zeit. Kollegen waren plötzlich verschwunden, hatten sich auf Grund ihrer früheren Staatsnähe neu orientiert. Junge Erwachsene waren nun das neue Klientel. Den ersten Facharbeiterbrief erhielt ein Bankräuber und von ihm bis zum Geiselnehmer waren jetzt Menschen auszubilden, die oft nicht die Absicht hatten, je in dem Beruf zu arbeiten. Wofür in DDR-Zeit sechsunddreißig Kräfte angestellt waren, mussten nach der Wende sechs ausreichen. Statt Industriemechaniker wurden aber Schlosser im modernen Maschinenpark ausgebildet, legten sogar die Gesellenprüfung ab. Ausgebrannt überließ der mehrfache Aktivist und mit der Pestalozzi-Medaille ausgezeichnete Günter Kirsten den nachrückenden jungen Lehrmeistern gerne das Feld und zog sich 1998 in das Privatleben zurück. Stolz auf seine Familie, legen seine Frau und er jetzt den Schwerpunkt auf die Gesundheit, um noch viele gemeinsame Jahre zu erleben.
Gesamte Liste anzeigen

  • Der Verlag
  • Gesichter der Regionen
  • VWM-Info
  • Menschen und ihre Gesichter
  • Suche
  • Ihre Empfehlung
  • Unser Anliegen
  • Kontakt
  • Impressum
  • Datenschutz