MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Alfred und Edelgard Kissmann

Gegenseitiges Verständnis aufbringen

Alfred und Edelgard Kissmann

Bäcker und Examierte Krankenschwester
99510 Apolda


Alfred Kissmann wurde 1930 in Polen geboren. Durch den Krieg hatte er keinen Schulabschluss, die Schulzeit war mit militärischen Drill von Lehrern aus dem „Reich“ durchsetzt. Er begann seine Lehre als Bäcker in Schlesien und beendete diese in Zeitz. Seine Familie hatte deutsche Wurzel und verließ Schlesien, als die Front näher rückte. Es war eine schwere Zeit. Nach der Lehre arbeitete Herr Kissmann bei einem privaten Bäcker. Brot gab es auf Lebensmittelkarten noch bis Mitte der 50er Jahre. Außer Brot und Brötchen wurde nichts gebacken. Alles war auf Zuteilung. Die Knetmaschine galt als einzige Arbeitserleichterung, wenn nicht gerade Stromsperre war, sonst wurde alles per Hand gefertigt. 1954 heiratete Herr Kissmann seine erste Frau, mit der er 5 Kinder bekam. Als er 1955 seinen Meisterbrief machte, ging er in die Selbstständigkeit mit einer kleinen Bäckerei auf dem Lande. Seine Frau führte den Laden. Um sich wohnraummäßig zu verbessern zogen sie nach Apolda und hatten hier die Bäckerei im Haus. 1987 verstarb seine Frau. 3 Söhne erlernten auch das Bäckerhandwerk und halfen teilweise mit. 1986 schloss Herr Kissmann die Bäckerei und half dem Sohn, der im Zentrum Apoldas ein eigenes Geschäft aufgemacht hatte. Aus gesundheitlichen Gründen wurde Herr Kissmann nach der Wende invalidisiert. Seine heutige Frau lernte er 1988 kennen. Sie war als Gemeindeschwester auf den Dörfern im Landkreis Weimar unterwegs. Er begleitete sie fast täglich 1989 heirateten beide und wohnen seit 1999 in Apolda zusammen. Frau Kissmann hat 3 Söhne aus erster Ehe und lebte in Großschwabhausen. Sie absolvierte 1958 ihr Staatsexamen als Krankenschwester. Bei der Zusammenarbeit mit den Ärzten hat sie viel gelernt als Sprechstundenhilfe und auch in der Mütterberatung. Nach der Wende wurde im Gesundheitswesen alles umstrukturiert und das Persönliche ging verloren. So fiel ihr der Abschied mit 60 nicht schwer. Aber sie wollte weiterhin sozial tätig sein. So bewarb sie sich als Betreuerin im Carolinenheim in Apolda und ist heute Leiterin der Grünen Damen. Mittlerweile ist eine Gruppe von 20 Mitarbeitern entstanden, die sich um die Betreuung hilfebedürftiger Menschen in Krankenhäusern und Seniorenheimen ehrenamtlich kümmern. Sie schenken diesen Menschen u.a. Zeit für Gespräche, Spaziergänge, zum Vorlesen und besonders zum Zuhören. Diese Arbeit organisiert Frau Kissmann mit viel Hingabe. Zur Familie der Kissmanns gehören mittlerweile 22 Enkel und 2 Urenkel. Dass diese lebenstüchtige Menschen werden, nicht nur materiell orientiert, ist ihr großer Wunsch.
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