MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Margrit und Gerald Kirchhübel
„Zu unserer Natur gehört die Bewegung; die vollkommene Ruhe ist der Tod.“ (Blaise Pascal)
Dipl.-Pädagogin
Elektromeister
07554 Brahmenau
Mit dem 1959 in der DDR erlassene „Gesetz über die sozialistische Entwicklung des Schulwesen“ wurde die zehnklassige Schulpflicht für alle Schüler in der DDR eingeführt. Das zuvor übliche Verlassen der Schule mit Abschluss der 8. Klasse war danach nur noch mit Zustimmung der Eltern und der Schule möglich und wurde mit einer Weiterführung der Ausbildung zum Facharbeiter verbunden. Diesen Weg ging der 1952 geborene Gerald Kirchhübel, war so nach 10 Jahren Bildung Elektromechaniker. Nun begann sein eigentlicher Entwicklungsweg. Den Pflichtwehrdienst hinter sich lassen, nahm er in der SDAG Wismut (Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft) die Arbeit als Elektriker und Tage auf. 20 Jahre war er hier tätig, qualifizierte sich zum Meister und war sieben Jahren in dieser Funktion als die politische Wende in der DDR kam und mit ihr der Wandel und die Strukturänderungen in den Betrieben. „Bis 1992 bin ich noch geblieben, dann hat mir die Arbeit keinen Spaß mehr gemacht, es war ja nur noch Abriss....", erzählt er und vom Grund für seinen Wechsel zur Eisenberger Elektrotechnik GMBH und den dort ausgeführten Montageaufgaben. Nach zwei Jahren bewarb er sich bei der Stadtbeleuchtung Gera, wurde als Meister für Instandhaltung eingestellt. Vier Jahre später fiel sein Arbeitsplatz Strukturänderungen im Unternehmen zum Opfer und Arbeitslosigkeit folgte. Der private Hausbau half über die schwere Zeit hinweg. In verschiedenen Zeitarbeitsfirmen fand er 15 Jahre lang immer wieder vorübergehende Anstellung. Das bedeutete ständige Abwesenheit vom Wohnort, enorme physische und psychische Belastungen, Verschleiß von drei Fahrzeugen und letztendlich Krankheit und vorzeitigen Gang in den Ruhestand. Ehefrau Margrit (Hochzeit 1973), geb., 1951, erinnert sich gut an diese schwere Zeit. Die verwaltungstechnischen Herausforderungen, aber auch die finanziellen belasteten die Familie sehr. Nur gemeinsam war diese Phase durchzustehen, erzählt sie. Bei den Großeltern drei Jahre aufgewachsen, wurde sie danach in einer kleinen Bergarbeitersiedlung bei ihren Eltern groß. 10 Klassen mit Berufsausbildung folgten bei ihr das Abitur mit Berufsausbildung – Facharbeiterabschluss Elektromechaniker. Als Bad-Fahrerin in Schichten arbeitend, wechselte sie nach der Geburt von Tochter Manja als Krippenhelferin in das Gesundheitswesen. Der Verdienst von 399,00 Mark brutto bei 40 Stunden Wochenarbeitszeit war es nicht, der sie dazu bewegte, sondern schlicht und einfach die Möglichkeit über diesen Weg einen Krippenplatz für die eigene Tochter zu erhalten und wieder normalschichtig arbeiten zu können. An der Medizinischen Fachschule erlangte sie im Fernstudium den Abschluss als Krippenerzieherin Sie arbeitete als Fachberaterin in der Krippenvereinigung und im Landkreis Gera. 1989 nahm sie ein weiteres Studium an der Humboldt Universität zu Berlin auf, schloss als Dipl.-Pädagogin für Früherziehung ab. Arbeit fand sie anschließend nicht, arbeitete innerhalb einer ABM im Landratsamt. Ihre Bewerbung beim Arbeitsamt wurde nach weiterem Hochschulstudium zur Dipl.-Betriebswirtin positiv entschieden. Als Reha-Beraterin und Arbeitsberater für akademische Berufe wirkte sie, wurde 2005 als Teamleiter eingesetzt – bis zu ihrer Berentung im Jahr 2016. Beim Arbeiter-Samariter-Bund arbeitet sie seitdem teilzeitbeschäftigt als Pädagogische Fachkraft in einem Dauerheim für mehrfach geschädigte Kinder. „Ich kann mir nicht vorstellen zuhause zu sitzen, dann wird man alt...“, erklärt sie und dass sie die freie Zeit mit Haus, Garten und Enkeln ausfüllt. Während sie Gestecke gestaltet, werkelt und kocht Gerald mit Freude.