MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Heinz und Helga Kircher
Bescheiden glücklich
Maschinenschlosser
Feinstrumpffacharbeiterin
Sonnenstr. 24
09337 Hohenstein-Ernstthal
Im schlesischen Heyersdorf (Kreis Fraustadt) kam Heinz Kircher 1932 zur Welt. Als Ältester von drei Jungen der Familie wuchs er auf. Der Vater blieb seit Stalingrad vermisst. So musste die Mutter die Kinder allein durchbringen. Der junge Heinz half schon in jungen Jahren beim Bäcker. Als 1944 die Heimat verlassen werden musste, führte ein harter Treck letztendlich bis nach Hohenstein-Ernstthal ins Sächsische. 1947 beendete Heinz Kircher den Schulbesuch. Im selben Jahr feierte er Konfirmation, doch die auswärtigen Gäste mussten schnell wieder abreisen, denn bei knappen Lebensmitteln war an großartige Bewirtung nicht zu denken. Zwei Jahre arbeitete der junge Heinz auf einem Gut bei Wilsdruff in der Landwirtschaft. Dann konnte er 1949 in Chemnitz eine Lehre als Maschinenschlosser aufnehmen. Im Jahr seines Lehrabschlusses 1951 brachten die III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Berlin, zu denen er delegiert war, einen Höhepunkt seiner jungen Jahre. Der fertige Geselle begann ebenfalls 1951 beim VEB Schleifmaschinenwerk Chemnitz (ab 1953 Karl-Marx-Stadt). Für seine zuverlässige Arbeit hoch geschätzt, wurden auch Urlaubsreisen zum ungarischen Partnerbetrieb und Auszeichnungsreisen ins damalige Leningrad möglich. Heinz Kircher blieb, bis 1990 die Produktion eingestellt wurde. Vorruhestandsregelungen milderten den Übergang in die ruhigere Phase des Lebens. Aus erster Ehe stammt Tochter Simone, 1969 geboren und heute als Textilingenieurin tätig. Sie bereicherte mit zwei Enkeln die Familie. Seit 1979 ist Frau Helga an seiner Seite. Sie stammt aus Wüstenbrand (seit 1999 Stadtteil von Hohenstein-Ernstthal). In einfachen Verhältnissen wuchs die 1936 Geborene mit einer Zwillingsschwester auf. In knappen Nachkriegszeiten gehörte neben dem Schulbesuch und kindlichem Spiel auch schon das Ährenlesen zu den Notwendigkeiten. Nachdem sie mit der 8. Klasse 1950 die Schule abgeschlossen hatte, ließ sie sich zur Facharbeiterin in der Textilindustrie ausbilden. Das Strumpfkombinat „Esda“ hatte eine eigene Berufsschule. Die ausgelernte Feinstrumpffacharbeiterin wurde in den verschiedensten Produktionsstätten der Umgebung eingesetzt, dann lange Jahre im VEB Turmalin-Strumpfwerke Hohenstein-Ernstthal. Ketteln, Nähen, Endkontrolle waren ihre Aufgaben. Teilweise wurde bei guter Auftragslage sogar im Drei-Schicht-System gearbeitet. Beim Niedergang der Textilindustrie mit dem Ende der DDR entfiel auch der Arbeitsplatz von Helga Kircher. Der Garten und seine Früchte (noch immer wird gern eingekocht) erfreuen das Ehepaar bis heute.