MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gudrun Kindler
„Wer der Gärtnerleidenschaft verfiel ist noch nie geheilt worden“ (Karl Foerster)
Inhaberin
Gärtnerei Fritz Jentsch
Threnaer Str. 2
04277 Leipzig
Ein bewegte Geschichte über die Gärtnerei erzählt Gudrun Kindler (geb. 1952) über Ihre Vorfahren. Bereits die Ururgroßeltern betrieben in Oschatz eine sehr bekannte Palmen- und Orchideengärtnerei, die von der Tochter hätte weitergeführt werden können, wenn die nicht einen „Taugenichts“ geheiratet hätte, der als Gärtner seinen Lebensunterhalt verdiente. Als Schloßgärtner in Güldengossa sorgte der dann weiter für das Familieneinkommen, bevor die kleine Familie – indessen war der Sohn Fritz geboren – nach Leipzig übersiedelte, wo der Vater von Fritz eine Gärtnerei und seine Mutter einen kleinen Blumenladen eröffnete. Auch der junge Fritz verschrieb sich der Gärtnerei, arbeitet als Friedhofsgärter auf dem Südfriedhof in Leipzig und lernte dort seine spätere Frau kennen, die als Blumenbinderin einen kleinen Laden betrieb. Gerne war diese Beziehung nicht gesehen, man unterstellte das Zuschustern von Aufträgen und entließ Fritz Jentzsch kurzerhand. Dieser entschied sich für die Selbstständigkeit, pachte Brachland an der Stelle der heutigen Gärtnerei und gründete 1922 die Gärtnerei Fritz Jentsch. Im Jahr 2017 wird das 95. Bestehen gefeiert und Großvater Fritz wäre mit Sicherheit stolz auf seine Enkelin Gudrun Kindler, die heute dem Unternehmen vorsteht, es erfolgreich weiterführt. Da sie quasi ihre ersten Schritte im Gewächshaus gemacht hatte, auch die Mutter aus einer traditionellen Gärtnerfamilie stammte, war nach dem Abschluss der 10. Klasse relativ schnell klar, in welche Richtung die berufliche Entwicklung einmal gehen sollte. Auf Grund der Selbstständigkeit der Eltern und der Teilnahme an der Konfirmation statt der Jugendweihe, zum Abitur nicht zugelassen, nahm sie eine Ausbildung Gartenbau mit Abitur auf, bewarb sich im Anschluss zum Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin, schloss als Diplomgärtnerin ab. Die Studienlenkung entschied über ihren Einsatz nach eignen, nicht nach ihren Vorstellungen und unterband druckvoll Eigeninitiativen. So wollte sich Gudrun Kindler nicht manipulieren lassen und unterschrieb zunächst den geplanten Einsatz als Feldbaubrigadier, wohl wissend, dass sie dieser Entscheidung durch die geplante Heirat (1976 mit Harald, Fernmeldebaumonteur) entkommen würde. So war es dann auch, und nach kurzer Arbeitslosigkeit trat sie ihre erste Stelle in ihrem ehemaligen Ausbildungsbetrieb als stellvertretender Brigadier mit Hochschulabschluss an. Nach zwei Monaten als Technologin eingesetzt, erledigte sie nebenher auch Aufgaben der Personalentwicklung. Die dadurch entstehenden Kontakte ermöglichten ein Jahr später den Wechsel an die Berufsschule. Aus dem Gedanken „Lehrer werde ich nie“, wurde ein weiteres Studium (Fernstudium, denn 1978 wurde Sohn Markus geboren) zur Agrarpädagogin und 16 Jahre Lehrtätigkeit! 1992 kündigte sie, weil sie sich entschlossen hatte, in das Familienunternehmen einzusteigen, um die Tradition aufrecht zu erhalten, wenn ihr Vater in den wohlverdienten Ruhestand gehen würde. Was ab 01.01.1993 als GbR mit dem Vater begann, wurde durch seine Krankheit und den frühen Tod zu schnell zur großen Eigenverantwortung in Form eines Einzelunternehmens. Sieben Angestellte stehen Gudrun Kindler zur Seite und seit 2001 auch Sohn Markus als Juniorchef. Das Fortführen der Familientradition ist damit gesichert, freut sich Gudrun Kindler und sieht dabei über die knapp bemessene Freizeit hinweg. „Man muss sich auch über kleine Dinge noch freuen können“, findet sie und erinnert sich gerne an die Erfüllung ihres größten Traumes, als sie durch das Brandenburger Tor lief.