MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gerda Kinder
Im Ehrenamt für die Lebenshilfe
Dekorateurin i. R.
17036 Neubrandenburg
Mit über 80 Jahren engagiert sich Gerda Kinder bis heute für den Verein Lebenshilfe in ihrem Wohnort Neubrandenburg. Die gelernte Dekorateurin hat den Verein mit gleichgesinnten Eltern behinderter Kinder nach der Wende ins Leben gerufen. Selbst Mutter eines Sohnes mit Handicaps (geboren 1971) und weiterer vier Kinder (geboren 1957, 1959, 1962, 1963) stand sie dem Gremium zusammen mit ihrem zweiten Ehemann Heinz Kinder viele Jahre vor und ist heute noch Mitglied im Verein. Der Kreativzirkel unter ihrer Leitung gestaltete viele schöne Dinge, die zugunsten der behinderten Jugendlichen zweimal im Jahr verkauft werden. Eltern, Erzieher und Betreuer gehören dem Zirkel an. 1935 in Malchin als Tochter eines Maurers und einer Verkäuferin geboren, hatte das Mädchen Gerda als Älteste unter vier Geschwistern den Berufswunsch, Handarbeitslehrerin zu werden. 1941 in Neubrandenburg eingeschult, ging Gerda acht Jahre lang zur Schule. Sie machte von 1949 bis 1952 eine Lehre zur Dekorateurin bei der Handelsorganisation (HO). Bis 1989 arbeitete sie in ihrem Betrieb. „Ich habe meine Arbeit bei der HO sehr gerne gemacht und jede Qualifikation genutzt, die mir angeboten wurde“, sagt Gerda Kinder rückblickend. Sie wurde als Lehrausbilderin für Gebrauchswerber eingesetzt und übernahm1982 die Leitung der Werbeabteilung. „Mir hat das alles gut gefallen, ich wollte nichts anderes machen“, erklärt die Mecklenburgerin heute die Liebe zu ihrem Beruf. Als die HO „abgewickelt“ wurde, erhielt Gerda Kinder im Alter von 55 Jahren die Möglichkeit, in den Vorruhestand zu treten. „Ich blieb zu Hause und kümmerte mich um meinen behinderten Sohn, der zu dieser Zeit in der Lebenshilfe e. V. untergebracht war. Ich wurde in den Vorstand der Lebenshilfe gewählt und gründete mit Eltern und Betreuern einen Kreativ-Zirkel, um Artikel zu fertigen, die jährlich zum Verkauf angeboten wurden“, sagt Gerda Kinder. „Ich gab nach 20 Jahren die Leitung ab, trat aus dem Zirkel aus und arbeite aber noch zu Hause, um weiterhin einige gefertigte Artikel der Lebenshilfe für den Verkauf zur Verfügung zu stellen“, berichtet sie weiter. Als Familienmensch ist die kinderreiche Mutter glücklich darüber, dass Sohn Uwe in der Lebenshilfe-Einrichtung nur gegenüber wohnt. „Wir gehen am Wochenende viel spazieren“, berichtet Gerda Kinder, die zweimal verheiratet war. Ihr zweiter Mann Heinz, mit dem sie 1969 die Ehe einging, war Lehrer für Deutsch und Geschichte. Er starb 2010. Kommt die ganze große Familie zusammen, ist das Tradition für Gerda Kinder. Inzwischen gehören neben den fünf Kindern noch elf Enkel und sieben Urenkel dazu. „Glück ist, dass man zufrieden ist und gesund“, versichert die beherzte Frau. Zu ihrem 80. Geburtstag 2015 hat sie sich einen Traum erfüllt: Gerda Kinder ging mit der Aida auf Kreuzfahrt. Stockholm, Helsinki, Tallinn, St. Petersburg – von diesen Ostseeperlen schwärmt die Seniorin noch heute. Ihren Handarbeiten bleibt sie treu –fürs Ehrenamt. Es ist für sie ein schönes Gefühl, gebraucht zu werden. Zudem fühlt sich die Neubrandenburgerin als Mitglied auch der Volkssolidarität und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) verbunden.