MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christine Kicinski
Zweite Heimat - Tokio
Krippenerzieherin
Oberbrandmeister a. D.
07749 Jena
Fon: 03641 / 446038
All ihre guten Eigenschaften, angereichert mit Fröhlichkeit und Humor, machen sie aus. Mit 45 Jahren besuchte Christine Kicinski, geboren am 25.12.1949 in Bürgel bei Jena, noch die Feuerwehrschule, bildete sich zum Rettungssanitäter weiter und beendete weitere Qualifizierungen mit Erfolg. Es macht sie schon etwas stolz, sich im Leben so gut behauptet zu haben.
Nach ihrem Schulbesuch absolvierte sie an der medizinischen Fachschule ihr Studium zur Kinderpflegerin und erhielt nach Umbenennung der Berufsbezeichnung den Abschluss als Krippenerzieherin.
1969 heiratete sie ihren Bernd, war nach Jena gezogen, arbeitete im Beruf und schenkte zwei Töchtern das Leben. Ihren Mann, tätig bei Carl Zeiss, führten berufliche Verpflichtungen 1977 nach Japan. Vier wunderschöne Jahre verbrachte die gesamte Familie in Tokio. Christine Kicinski übernahm als „Mädchen für alles“ Aufgaben in einem Importbetrieb und fühlte sich unglaublich wohl. Und dies auch aus einem weiteren Grunde. Extrem unter Migräne leidend, profitierte sie von Akkupunkturbehandlungen und die Schmerzen waren wie weggeblasen.
Zurück in der Heimat, war sie in ihrem Beruf nicht mehr glücklich. Zu viel Zwang und zu viele Vorschriften, die nicht ausschließlich dem Wohl des Kindes dienten, machten sie krank. Heute wäre das Erkrankungsbild mit einem Burnout-Syndrom zu vergleichen.
Christine Kicinski wechselte zur schnellen medizinischen Hilfe, eignete sich Fachwissen an und koordinierte als Dispatcherin die Einsätze der Mitarbeiter. 1990 wurde das Unternehmen der Feuerwehr angegliedert. Zusätzlich zu allen Schulungen hospitierte sie bei Rettungseinsätzen, wurde 1995 verbeamtet und blieb bis Dezember 2009 als Dispatcherin tätig. Mit 60 Jahren „musste“ Christine Kicinski in Rente gehen. Noch lange unterstützte sie die Freiwillige Feuerwehr ehrenamtlich, ist noch immer Mitglied und fand nochmals eine schöne Herausforderung. Seit 2011 übernimmt sie Bereitschaftsdienst beim kassenärztlichen Notdienst und freut sich, für Patienten da sein zu dürfen.
Dem Ehepaar wurde eine dritte Tochter geboren und heute empfindet sie die Stunden, wenn Töchter und zwei Enkelsöhne zu Besuch kommen, als die schönsten. Sie pflegt ihren Garten und genießt auf herrlichem Wochenendgrundstück pure Natur.
Doch eines hat sich in ihr Herz eingegraben – Tokio. Natürlich war die ganze Familie zwischenzeitlich wieder dort. 2016 geht’s erneut in die gigantische Stadt nahe dem Fuji-san und Christine Kicinski beendet ihren Tagtraum mit Worten, die aus tiefster Seele kommen: „Tokio ist mir zur zweiten Heimat geworden.“