MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helga Kirchhübel
Und dann reichte die Welt bis nach Florida
Bibliothekstechnikerin
Feldstr. 6
04720 Döbeln
Andere Welten entdecken, ob in Büchern oder auf Reisen, hat der Neugierde von Helga Kirchhübel stets gut getan. Dabei ist sie doch immer ihrer Geburtsstadt Döbeln in Sachsen verbunden geblieben. Hier kam sie 1934 auf die Welt, die durch Krieg und familiäre Verhältnisse nicht immer eine bequeme war. Die junge Helga wuchs hauptsächlich bei der Großmutter auf, besuchte zuletzt die Lessing-Oberschule, schloss mit der 10. Klasse 1951 ab. Zwei Jahre dauerte die Lehre zur Bibliothekstechnikerin. Die Jahre in der örtlichen Bücherei zählten zu den prägendsten und interessantesten ihres Berufslebens. Nach der Lehrzeit war sie für kurze Zeit in die Bibliothek von Waldheim abgeordnet, bis eine Stelle in Döbeln frei wurde. Hier bereitete sie die Bücher auf die Ausleihe vor, präparierte die Exemplare für den Leihbetrieb, sortierte in die Bestände. Exaktes Arbeiten wurde zur bestimmenden Eigenschaft ihrer Berufsauffassung. Sie betreute auch Außenstellen, bekam hier Gelegenheit, die Leser zu beraten. Die Geburt der Tochter Karla 1962 setzte eine Zäsur. Nach zweieinhalb Jahren fand sie eine neue Stelle im Elektromotorenwerk VEB ELMO Döbeln. Als Sachbearbeiterin wirkte sie insbesondere für die Technische Kontrollorganisation (TKO). 25 Jahre war sie hier anerkannte Kollegin, konnte für die Arbeitsgemeinschaft Forschung Zusatzaufgaben mit Extraverdienst übernehmen. Bei der Bearbeitung der Zahlenwerke zeichnete sie die gewohnte penible Arbeitsweise aus. Als die Grenzen sich 1989 öffneten, wurde wahr, was zuvor unmöglich war – die Reisefreiheit. Noch zwei Jahre zuvor, durfte sie nicht zur Beerdigung ihrer Mutter (✝ 1987) in die BRD fahren, konnte deren Haushalt dort nicht auflösen. Eine Schikane der Behörden, wie sie erzählt. Dann war alles anders: Für die Reise zur Silberhochzeit ihrer in den USA verheirateten Schwester hatte sie noch alle geforderten Unterlagen, samt amtlich bestätigter Übersetzungen zusammengetragen, dann genügte 1990 der Reisepass. Siebzehnmal bot seitdem die Schwester in Florida freundliche Aufnahme, Helga Kirchhübel frischte ihr Englisch auf, genoss die Kontakte in der Neuen Welt. Auf Kreuzfahrt mit der „Aida“ entdeckte sie die Weite der Ozeane.
Der Familienkreis wurde inzwischen um zwei Enkel erweitert. Ihre sportlichen Aktivitäten, u. a. in der Wandergruppe der Volkssolidarität, musste Helga Kirchhübel inzwischen einschränken, aktiv freut sie sich jedoch am Leben in ihrer Heimatstadt. Dem Buch, den Romanen und Biographien ist sie treue Leserin geblieben.