MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Gudrun Kießling

Die Großhandelskauffrau

Gudrun Kießling

Rentnerin
Märkische Allee 74

12681 Berlin

Seit 35 Jahren wohnt Frau Kießling in Marzahn und hat seit 1974 einen Prachtgarten in Mahlow. Dieser war immer ihr Ausgleich zu Arbeit, bis sie 2005 in Rente ging. Auch heute noch genießt sie die Aufenthalte in der Natur. Einen kleinen Garten gab es auch in der Kindheit, als die Familie nach dem Krieg in Ruppersdorf in der Oberlausitz lebte. Es wurden dort Obst und Gemüse angebaut, um das Überleben zu sichern. Geboren wurde Frau Kießling am 10.03.1943 in Lawalde (Kreis Löbau). Die Mutter arbeitete während des Krieges in Dresden als Haushälterin und Näherin. Der Vater lebte in Dresden und wurde bei den Bombenangriffen im Februar 1945 getötet. Die Mutter heiratete 1946 und bekam drei weitere Kinder. Da der Stiefvater in seinem Beruf als Maler auf dem Lande kaum Arbeit fand, zog die Familie 1951 nach Berlin-Müggelheim und lebte dort viele Jahre zu sechst in einem kleinen Gartenhäuschen, das der Stiefvater geerbt hatte. Da keine Zuzugsgenehmigung für Berlin erteilt wurde, gab es keinen Anspruch auf Wohnraum. Im Garten konnte wiederum gepflanzt und geerntet werden (Lebensmittel waren noch knapp), außerdem war er ein wunderbarer Spielplatz. Frau Kießling besuchte nun die Grund-, danach die Mittelschule und schloss die 10. Klasse ab. Sie hätte gern Mathematik studiert, aber ihr fehlte das Abitur. Als älteste Tochter sollte sie schnell Geld verdienen. So nahm sie 1959 eine Lehre als Großhandelskaufmann im Bereich Medizintechnik der Deutschen Handelszentrale für Pharmazie und Krankenhausbedarf auf und beendete diese 1962 erfolgreich. Vier Jahre blieb sie in der Firma, anfangs als Verkäuferin für Medizintechnik aus DDR-Produktion, später in der Importabteilung als Ein- und Verkäuferin für chirurgische Gummiwaren aus Westdeutschland. Eine verantwortungsvolle Aufgabe wegen des Umgangs mit knappen Devisen. Parallel zu ihrer Tätigkeit absolvierte Gudrun Kießling von 1964–1968 ein Fernstudium in Leipzig, schloss es als Ökonom für Medizintechnik ab. Erst 1998 wurde dieser Abschluss dem in Westdeutschland artverwandtem Dipl.-Betriebswirt (FH) gleichgestellt. 1966 wechselte Frau Kießling in das Ministerium für Nationale Verteidigung, arbeitete hier 25 Jahre lang in der Verwaltung Beschaffung, war überwiegend für den Einkauf von Medizin und Labortechnik zur Versorgung der NVA zuständig. Im Zuge der Wende übernahm 1990 das Bundesamt für Wehrtechnik und Bewaffnung Koblenz das Amt, 1991 folgten die Abwicklung und ihre Entlassung. Im Großhandel für Baubeschläge in Westberlin fand sie neue Arbeit, übte verschiedene Tätigkeiten im Verkauf aus, bis 2002 die Insolvenz kam. Es folgten die bittere Arbeitslosigkeit, eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und Minijobs bis zum Erreichen der Rente. Drei Kinder hat sie – überwiegend allein – großgezogen. Diese sind zusammen mit den fünf Enkelkindern ihr ganzer Stolz.
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