MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Werner G. Kießig
Dem Lesestoff ein schönes Outfit verpassen
Selbstständiger Buchbinder
Atelier für Bucheinband, Ledergestaltung, Restaurierung und
Prägedruck
Biesterfelder Straße 20
13053 Berlin-Hohenschönhausen
Fon: 030 / 9864833
Internet: www.kiessig-buch.de
„Der Einband gehört zum Buch wie das Kleid zum Menschen“, stellte einst Goethe fest. Werner G. Kießig begeisterte sich früh für schön gestaltete Bücher, die auf diese Weise zum Lesen einfach einluden. „Das ist mein Ding“, meinte er, als es um die Entscheidung für den künftigen Beruf ging. Nach der Berufsausbildung musste er bis 1945 in den Krieg ziehen. „Ich war kein Soldat, sondern ein Uniformträger“, meint Werner G. Kießig kurz und knapp über diese Zeit.
Die Nachkriegszeit war für ihn die sorgloseste Zeit, denn er konnte trotz der weit verbreiteten Not seinen Neigungen folgen. Im Jahr 1948 schloss er ein zweijähriges Fachschulstudium mit der Meisterprüfung für das Buchbinderhandwerk ab. „Auf dem Abschlusszeugnis standen nur Einsen“, erinnert sich der Künstler nicht ohne Stolz an seine Lehrjahre.
Er entschied sich sofort für die Selbstständigkeit und war in diesen Jahren als freier Buch- und Papyrusrestaurator für die Staatlichen Museen zu Berlin und für die Deutsche Akademie der Wissenschaften bei Dr. Rolf Ibscher tätig. Ab 1966 absolvierte Werner G. Kießig ein einjähriges künstlerisches Grundstudium bei Professor Funkat in Halle und unter anderem bei Professor Högner an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.
Seine Arbeiten erregten bald Aufsehen, im Jahr 1965 hatte er seine erste Personalausstellung im Bühnen- und Filmklub „Die Möwe“ und war ab 1967 auf allen zentralen Kunstausstellungen der DDR vertreten. Dazu kamen die Bezirksausstellungen der Berliner Formgestalter und Kunsthandwerker sowie zahlreiche Einzel- und Personalausstellungen.
Werner G. Kießig konnte diese Erfolgsserie auch nach 1990 fortsetzen, baute seinen internationalen Bekanntheitsgrad weiter aus, erhielt zahlreiche Preise und arbeitete in zahlreichen nationalen und internationalen Künstlerverbänden mit. Trotz seines hohen Alters fühlt sich der Buchbindermeister immer noch sehr „berufsverbunden“, wie er meint, und wünscht sich, seine Arbeit noch eine Weile fortführen zu können. Seine Frau, mit der er seit 30 Jahren zusammenarbeitet und die ebenfalls einen Meisterbrief vorweisen kann, arbeitet sich zunehmend in die restauratorischen Aufgaben ein.
Seit rund 50 Jahren spielt Werner G. Kießig Tennis und konnte seinen Sohn ebenfalls so für diesen Sport begeistern, dass dieser heute als Tennislehrer tätig ist. Er fühlt sich insgesamt als ein glücklicher Mensch, der auf ein erfülltes Leben blicken kann und auch im Privatleben Erfüllung gefunden hat. Er wünscht sich vor allem eine friedliche Welt, in der die Menschen fair miteinander umgehen und nicht versuchen, sich zu betrügen.