MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

Gesamte Liste anzeigen

Waltraud Kempe

„Ich bin die Christel von der Post...“ (aus „Der Vogelhändler“

Waltraud Kempe

Betriebs- und Verkehrseisenbahner
Postangestellte
Plauer Str. 19
09557 Flöha

Das Mädchen Waltraud Richter wurde 1939 in Falkenau OT Hetzdorf geboren. Die Tochter einer Fabrikarbeiterin und eines Eisenbahners (1966 tödlich verunglückt bei der Arbeit) wuchs als Einzelkind auf. Sie erinnert sich an die Kriegs- und Nachkriegszeit: Den Aufenthalt im Luftschutzkeller, die Entbehrungen und Einfachheit des damaligen Lebens aber auch daran, glücklich gewesen zu sein beim Spiel mit anderen Kindern und den geliebten Besuchen bei ihrer Oma. „Wir sind täglich 3 km in die Schule gelaufen....das Wasser holte meine Oma vom Waschhaus, Eimer für Eimer in das Haus schleppen..... heute steht das Haus nicht mehr, der Weg dorthin ist zugewachsen....“ berichtet sie und sagt schlicht „...aber wir kannten es nicht anders.....“ dazu, dass damals vieles selbstverständlich war was heute als schwer möglich angesehen wird. 1953, nach Abschluss der 8. Klasse nahm sie eine Lehre auf und trat dabei in die Fußstapfen ihres Vaters. Drei Jahre (1956) später den Facharbeiterbrief als Betriebs- und Verkehrseisenbahnerin in der Tasche, wurde sie auf dem Stellwerk eingesetzt. Zwar gefiel ihr die Arbeit, doch der Schichtbetrieb und die Wochenendarbeit widerstrebten ihr, nachdem sie ihren Mann Wolfgang (verstorben 2014) kennengelernt hatte, der auch Eisenbahner war und diesen Dingen ebenso unterlag. 1961 heiratete das Paar. Ein Jahr später wurde Tochter Ina geboren (RAW, Eisenbahnerin), der 1967 Sohn Lars (Elektroniker bei der Eisenbahn) folgte. Waltraud Kempe wechselte zur besseren Koordinierung der Familie und wegen dem bereitgestellten Kindergartenplatz für den Sohn als Zustellerin zur Post. Sie erinnert sich an die Arbeit treppauf, treppab und die großen Westpakete für Flüchtlinge von deren Verwandtschaft, die im Westteil Deutschlands den Neubeginn gewagt hatten. Mit vollgepacktem Rad, hinten die Pakete drauf, vorne die schwere Tasche mit der Briefpost dran, ging es täglich los. Dass Strukturänderungen sie acht Jahre später in die Verwaltung der Post nach Freiberg führten, kam ihr deshalb sehr entgegen. Bis zum 55. Lebensjahr blieb sie dort tätig und trat dann über den Vorruhe- in den Ruhestand. 1962 bezogen die Kempes eine schöne, neuerbaute Wohnung in Flöha. Fast sechs Jahrzehnte später schwärmt sie noch immer von der Wohngegend und dem neuen großen Balkon. Sie möchte nirgends anders zu Hause sein. Zwei Enkelkinder gehören indessen zur Familie in der Ehrlichkeit und Offenheit herrschen und auf die Waltraud Kempe sehr stolz ist. Mit Sport hält sie sich fit (seit Jahrzehnten Mitglied der Sportgruppe Falkenau, zuvor in der Betriebssportgruppe) und hofft deshalb lange unabhängig und gesund zu bleiben. Kreuzworträtsel sorgen für ihre geistige Fitness. Einmal wöchentlich spielt sie mit Bekannten Karten, einmal jährlich nimmt sie an einer Fahrt der Sportgruppe teil. So hat sie Kontakte, kann sich austauschen. Mit Rückblick auf die eigenen Kindheit, die eigene Entwicklung und ihre Erfahrungen schaut sie besorgt auf die zunehmende soziale Verwahrlosung und die Gewaltbereitschaft die sich heute in der Gesellschaft breit machen.
Gesamte Liste anzeigen

  • Der Verlag
  • Gesichter der Regionen
  • VWM-Info
  • Menschen und ihre Gesichter
  • Suche
  • Ihre Empfehlung
  • Unser Anliegen
  • Kontakt
  • Impressum
  • Datenschutz