MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Ruth und Helmut Kempe

„Achte auf das Kleine in der Welt, das macht das Leben reicher und zufriedener.“ (Carl Hilty)

Ruth und Helmut Kempe

Landwirtin, Hausmeisterin
Maurer
Nerchauer Str. 9
04687 Trebsen OT Neichen

Die Eheleute sind beide 1937 in Schlesien, und jeder in eine Bauern-Familie hineingeboren. Sie durchlebten bis zur Flucht aus der Heimat (Ruth 1947, Helmut im strengen Winter 1945) eine schöne Kindheit. Helmut Kempes Vater war 1939 eingezogen worden (Rückkehr aus der Gefangenschaft 1949), so dass die Mutter mit den drei Kindern die Odyssee alleine durchstehen musste. 30 km Tagesmarsch waren tägliches Ziel. Bei über minus 20 Grad war laufen auch notwendig um warm zu werden und nicht zu erfrieren. Als sie Dresden erreicht hatten, sahen sie den erleuchteten Himmel, die zerstörten Brücken und erfassten den Schrecken der Bombardements. In Trebsen fanden sie Zuflucht. Helmut Kempe war acht Jahre alt. Er war von Schlesien bis nach Saschen durch Kälte und Schnee, hungernd und frierend gelaufen, hatte so jung an Jahren bitterste Not erlebt. Nun besuchte er wieder die Schule. 1951 beendete er diese und erlernte danach den Maurer-Beruf. Ab 1957 arbeitete der junge Facharbeiter bei seinem Lehrausbilder, Meister Artur Kühne in Kühren, danach im Baugeschäft Max Kühne in Trebsen und schließlich ab 1967 bis zur Wende in der Zellstoff- und Papierfabrik Trebsen. 24 Jahre gehörte er hier auch der Betriebsfeuerwehr an. Nach der Wende wurden von den ehemals rund 1200 Arbeitskräften nur noch ca. 300–400 weiterbeschäftigt. Helmut Kempe gehörte nicht dazu. Er nahm die Arbeit in einem privaten Baugeschäft auf und konnte hier bis 1997 und den Eintritt in den Ruhestand weiter seinen Lebensunterhalt verdienen. Ruth Kempe wurde im gleichen Jahr Rentnerin. Auch ihre Mutter musste einst mit drei Kindern die Flucht aus Schlesien alleine bewerkstelligen. Ihr Vater kehrte 1947 aus der Gefangenschaft zurück – vermittelt nach Deuben zur Arbeit bei einer alleinstehenden Bauersfrau. Seine Familie fand er in einem Auffangleger in Taucha und sorgte dafür, dass sie wieder zusammengeführt wurden. Die Eltern führten fortan eine gepachtete Landwirtschaft. Das Mädchen Ruth konnte in Sachsen ihre Schulzeit fortsetzen, beendete sie 1952 mit dem 8-Klassen-Abschluss. Sie absolvierte die landwirtschaftliche Berufsschule und arbeitete auf dem Hof der Eltern. 1957 lernte sie beim Ostertanz ihren Mann Helmut kennen. Sie heirateten 1962. Ein Jahr später kam Tochter Sigrun zur Welt (Chemielaborantin, zwei Kinder, ein Enkel). Ruth Kempe blieb drei Jahre zu Hause, fing 1965 als Hilfskraft in einer Bäckerei an. Doch der Verdienst war gering und so folgte sie 1985 der Empfehlung ihrer Tochter, wurde als Hausmeisterin im Farbenwerk tätig. Mit der Wende und dem folgenden Stellenabbau wurde auch sie arbeitslos. Doch sie hatte Glück, konnte nochmal Arbeit als Küchenhilfe in einem Ferienlager der Kindervereinigung Dresen e. V. finden und bis zum Renteneintritt 1997 weiter arbeiten. Seit 1963 lebt das Paar in Trebsen. „Wir sind stolz, dass wir unser Leben selbst mit gestalten können durch unseren Fleiß, als Handwerker, im Haus und im Garten“ sagt Helmut Kempe. Seine Mutter hat das Anwesen einst gekauft. Heute findet man hier die Spuren der Kempes, die mit Ehrgeiz und ihrer Hände Arbeit verändert, vervollständigt und erhalten haben. Der Nutzen fällt ihnen nicht nur selbst zu, sie halten so auch das Andenken an ihre Eltern in Ehren, die ihnen stets Vorbild waren. Der Garten und die Kleintierhaltung sind täglich liebe Beschäftigung, Hühner und Hasen zudem Ergänzung auf dem Speiseplan. Ruth Kempe kocht und backt sehr gerne und ausgesprochen gut. „Wir können Gott danken, dass wir gesundheitlich noch so gut gestellt sind“ sagt Ruth Kempe und beide hoffen, dass das noch lange so bleibt und ihnen noch viele gemeinsame Jahre vergönnt sind.
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