MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Horst Kemp
Der Mann für besondere Aufgaben
Studioingenieur i. R.
Nordweg 8
04158 Leipzig
Fon: 0341 / 5212339
Im Jahr 1932 geboren, fiel der Abschluss der 8. Klasse in die frühe Nachkriegs- und damit schwere Zeit für berufliche Pläne. Es galt nicht, was man gerne werden wollte, sondern was möglich war. Horst Kemp kam der Zufall entgegen. An einer Firma las er ein Schild Elektromechaniker-Lehrling gesucht, dachte sich, sein Glück zu versuchen und trat ein. „Wann bist du aus der Schule gekommen?“ war die einzige Frage. Die Antwort „heute“, Anlass für den nächst folgendem Tag die Einstellung vorzunehmen. Nach vier Jahren hatte er seinen fachlichen Abschluss in der Tasche, merkte jedoch in den weiteren Arbeitsjahren in diesem Beruf, dass seine Wahl wohl doch nicht die richtige war. Als FDJ-Sekretär gesellschaftlich aktiv und offen für Veränderung in einer Zeit, in der Lehrermangel herrschte, erhielt er die Chance ein entsprechendes Studium zu beginnen. Die Ausbildung endete jäh, weil der Bedarf an Lehrern dringlich war. Bereits nach zwei Jahren fand er sich deshalb als Lehrer in Hoyerswerda wieder. Vier Jahre im Beruf, folgte er im Anschluss dem Werben der Kasernierten Volkspolizei. Was auf eine Flugzeugfunklaufbahn angelegt war, endete nach drei Jahren wegen gesundheitlicher Ausmusterung. Im VEB Funkwerk Leipzig nahm er eine Meisterstelle in der Produktion von elektrotechnischen Geräten, speziell Flugfunkgeräten für die spektakuläre neu entwickelte B192 aus Dresden bis zu deren Ende an. Ein erneuter Wechsel über den MDR Mitteldeutschen Rundfunk führte zur Sektion Journalistik und technische Ausbildung von Rundfunk- und Fernsehjournalisten. Daraus entwickelte sich die Berufung als technischer Leiter des Seminargebäudes der Karl-Marx-Universität für alle ton-, film- und fernsehtechnischen Ausbildungsaufgaben. Über 30 Jahre dauerte die Aufgabe mit über 30 Mitarbeitern – bis zur Wende. Eine neue Tätigkeit nahm er nicht mehr auf. Ehefrau Annerose, die er 1957 geheiratet hatte und mit der er zwei gemeinsame Söhne erzog, gelang es, ihm die gemeinsame Freizeit schmackhaft zu machen und das Interesse auf andere gesellschaftliche Ideen zu lenken. Sie hatte einst an der Fachschule für Kindergärtnerinnen studiert und war zum Zeitpunkt der Wende selbst eine Direktorin dieser Einrichtung. Da auch sie in den Ruhestand wechselte, war es für beide eine neue Gemeinsamkeit, die sie nutzen wollten. Ein Garten sorgte für Abwechslung, bis Annerose Kemp im vorigen Jahr verstarb und Horst Kemps Gesundheit die Gartenarbeit ausschloss. „Die anderen sollen es wissen, wie es damals mal war“ ist der Titel, unter dem er mit seiner Frau eine Familiechronik begonnen hat, die er gerne noch weiterführen möchte. Er habe sich immer den gesellschaftlichen Aufgaben gestellt, die temporär standen, erzählt er und dass er sich glücklich schätzt, seine Aufgaben so gut erfüllt zu haben. Sein größter Wunsch bleibt es jedoch unerfüllbar. Die Gesundheit verhindert, noch einmal einen größeren Flug zu absolvieren.