MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Waltraud Keller
Drei Generationen in einem Haus
Schkeuditzer Str. 29
06116 Halle
Fon: 0345 / 5801106
Viel im Leben der 1947 geborenen Waltraud Keller verlief im Gleichklang. So wuchs sie in Kanena auf, ist heute hier noch wohnhaft. Mit ihrem heutigen Mann Sepp besuchte sie ab der 5. Klasse gemeinsam die Schule und ihre Arbeitsstelle wechselte sie nur dreimal. Nicht zu vergleichen mit der Unstetigkeit heutigen Lebens. Doch auch sie hatte Träume, die sich nicht erfüllten: Statt Friseurin zu werden, lernte sie nach Abschluss der 10. Klasse den Beruf der Facharbeiterin für Schreibtechnik. Ihrem Ausbildungsbetrieb – dem Rat des Bezirkes Halle – kehrte sie den Rücken, um im RAW „Ernst Thälmann“ Halle (Reichsbahnausbesserungswerk) besser verdienen zu können. Doch 302,00 Mark der DDR waren auch nicht gerade das, was eine Familienzukunft planen ließ. Der IFA-Vertrieb versprach bessere Bedingungen. Und zusammen mit ihrem Mann Sepp, der mit seiner handwerklichen Grundausbildung im Tankanlagenbau rund 600,00 Mark der DDR verdiente, konnte die kleine Familie gut leben. 1968 wurde geheiratet, 1971 kam Tochter Petra (Verkäuferin) zur Welt. Die junge Familie vertrat den Standpunkt“ Wenn man sich ein Kind anschafft, dann will man auch für dieses da sein“ und so unterbrach Waltraud Keller für 2 ½ Jahre ihre berufliche Tätigkeit. Eine Zeit, die Mutter und Tochter sehr genossen haben und auch für die Entwicklung des Kindes von großer Bedeutung war. Anschießend bei der Staatlichen Versicherung tätig (Qualifizierung zum Versicherungskaufmann), erlebte sie hier die Wende, den Übergang in die Allianz AG und den eigenen in die Altersteilzeit mit 58 Jahren. Auch Sepp Keller hat der politische Wandel in der DDR im Berufsleben begleitet. Zu dem Zeitpunkt als Zivilbeschäftigter im Unterkunftsdienst der NVA (Nationale Volksarmee) tätig (Qualifikation zum Kesselwärter) , wurde er nach der Übernahme durch die Bundeswehr in verschiedenen Standortverwaltungen eingesetzt, erreichte hier die Altersteilzeit. Privat hat es das Schicksal mit Waltraud Keller nicht immer gut gemeint. Nach dem Unfalltod eines Bruders, verlor sie in kurzen Abständen ihren Vater, den zweiten Bruder und dessen Frau. Nur Wochen lagen zwischen diesen Ereignissen. Eine Zeit, an die sie noch heute nur mit Tränen in den Augen denken kann...Aber das Leben geht weiter und setzt sich indessen fort mit der kleinen Enkelin, die inzwischen die Familie bereichert. Drei Generationen lebten schon immer im Haus der Kellers zusammen und heute ist damit die Nähe zur Tochter und Enkeltochter gewährleistet. Man ist füreinander da, man hilft, man unterstützt sich und Geburtstagsfeiern in Familie sind Tradition. Waltraud Keller hat ihr Hobby – das Stricken – zur sozialen Hilfsmöglichkeit gemacht. Mehrmals im Jahr geht sie zur Bahnhofsmission und liefert ihre gefertigten Stricksachen für Bedürftige ab. Ehemann Sepp und Tochter Petra bewirtschaften derweil den Garten und so ist die Familienidylle perfekt.