MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Annelies und Fritz Becker

„Ein klein wenig Süßes kann viel Bitteres verschwinden machen.“ (Francesco Petrarca)

Annelies und Fritz Becker

Arbeiterin
Werkzeugmacher, Dipl.-Ing. (FH)
Stadtblick 34
01662 Meißen

Den Geburtstag kann das Paar Becker gemeinsam feiern, denn sie sind zwar nicht im gleichen Jahr, aber am gleichen Tag geboren: Fritz (und seine Zwillingsschwester Maria) 1937 in Lommatzsch, Annelies 1939 in Sornitz. Der Arbeitsstellenwechsel von Fritz' Vater führte die Familie erst nach Bernsdorf, dann 1939 nach Torno, wo sie mit betrieblicher Unterstützung ein Einfamilienhaus errichtet hatten. Im September 1943, am Tag der Einschulung, wurde bei Fritz Becker eine schwere Erkrankung festgestellt, die in einem langen Krankenhausaufenthalt mündete. Erst im April 1945 konnte er die Klinik wieder verlassen. „Als Deutschlands letzte Hoffnung“ war zwischenzeitlich sein Vater für den Kriegsdienst eingezogen worden. Das Kriegsgeschehen zwang seine Mutter mit den drei Kindern (einschließlich Sohn Fritz mit Gipsbein im Handwagen) nun alleine die 100 km lange Flucht von Torno nach Lommatzschanzutreten. Die spätere Rückkehr in das eigene, neue Haus bescherte einen großen Schreck: Es war nichts mehr vorhanden, alles geplündert, bis zum letzten Brikett. „Na wie es eben im Krieg so war....bei uns war es auch nicht anders.... es war schon schlimm...,“ fasst Annelies Becker zusammen und es klingt ein gewisses Verständnis heraus, anzunehmen, was nicht mehr zu ändern ist, aber so viele Menschen betroffen hat und heute kaum noch vorstellbar ist. Haus und Grundstück wurden verkauft, die Eltern zogen mit den Kindern nach Lommatzsch zurück. Fritz und seine Zwillingsschwester Maria besuchte nun ab der 3. Klasse gemeinsam die Schule. Doch die ersten zwei Schuljahre fehlten. „Ich habe mich sehr durchbeißen müssen,“ erzählt er und davon, trotzdem 1951 die Grundschule abgeschlossen, danach eine Lehre zum Maschinbauer / Werkzeugmacher aufgenommen zu haben und als einer der 500 besten Lehrlinge der DDR 1953, sowie 1954 im Februar vorzeitig mit Erfolg, abgeschlossen zu haben. Gerne hätte er sofort ein Studium angeschlossen, doch als Nicht-Arbeiterkind (Mutter und Bruder waren Fuhrunternehmer) wurde ihm das verwehrt. In einer privaten Landmaschinenfirma arbeitete er 1954–1955 als Entwicklungsschlosser, konnte durch die Gründung des Flugzeugbaus in der DDR 1955, danach in diesem Bereich tätig werden. „Eine sehr lehrreiche Zeit, in der wir uns gut entwickeln konnten“, berichtet er. Das baldige Ende des Flugzeugbaus führte ihn zum wissenschaftlichen Gerätebau von Carl Zeiss, Außenstelle Lommatzsch, und 1968 endlich auch zum Studium (zuvor 10-Klassen-Abschluss in der Volkshochschule 1966–1968 mit Note 1), das er 1971 als Ingenieur für Werkzeugmaschinenbau (nachdiplomiert zum Dipl.-Ing. (FH)) abschloss. Entsprechend seines betrieblichen Förderungsvertrages wieder bei Carl Zeiss Lommatzsch eingesetzt, wechselte er 1974 wegen der besseren Entwicklungsmöglichkeiten in den WTK Meißen (Wissenschaftlich Technischer Betrieb Keramik), war im Ratiomittelbau beschäftigt. 1976–1986 fungierte er neben seiner Arbeit zusätzlich als ehrenamtlicher BGL-Vorsitzender. Im Zuge der politischen Wende in der DDR und Abwicklung des WTK, wurde der Betrieb privatisiert. Es entstand die ICM (Innovation-Centre Ceramics GmbH, mit Fritz Becker als eines der Gründungsmitglieder. 1992–1996 Gründung einer privaten Firma Meißen-Voit GmbH. Spätere Spezialisierung auf die Autoindustrie und den Ratiomittelbau brachten, durch den Konkurs eines Auftraggebers ( Firma Voit-Wießnstadt) wirtschaftliche Schwierigkeiten und führten letztendlich in die Insolvenz der eigenen GmbH. „Schulden fielen auf uns, die wir in 10 Jahren von der Rente abzahlen mussten.... das war schwer, aber wir haben es geschafft....,“ ergänzt Annelies Becker, froh darüber das neu erbaute Haus (1981–1984 Eigenheim, Einfamilienhaus in Meißen) erhalten zu haben und dank einer immer bescheidenen Lebensweise die Herausforderung gemeistert zu haben. Seit 1958 ist das Paar verheiratet und „in guten und in schlechten Zeiten“ ist in ihrer Ehe erlebte Wirklichkeit. Dass hinter jedem erfolgreichen Mann eine starke Frau steht, dafür ist Annelies bestes Beispiel. Sie hat ihrem Mann den Rücken freigehalten, sich um die Kinder Marion (geb. 1959, Lehrerin, zwei Kinder) und Michael (geb. 1960, Elektriker, zwei Kinder) gekümmert. In einer Familie mit fünf Kindern groß geworden, hat sie zeitig lernen müssen zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Arbeitsjahre verbrachte sie in der LPG, als Haushälterin, in der Kindergarten-Küche, als Glasschleiferin und Glasschneiderin, sowie 1985–1991 als Produktionsarbeiterin in der Raumkunst Meißen. In den 1991–1999 folgte Arbeitslosigkeit und ab 1999 trat sie in die verdiente Rente. Fritz Becker blickt auf eine sportliche Kindheit und Jugend zurück, spielte aktiv und erfolgreich Handball und Fußball. Auf die regelmäßigen Seniorentreffen der ehemaligen Handballer freut er sich immer wieder, „wenn wir auch immer weniger werden,“ bemerkt er leise.
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