MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Christa und Egon Becker

„Alternde Menschen sind wie Museen: Nicht auf die Fassade kommt es an, sondern auf die Schätze im Innern. (Jeanne Moreau)

Christa und Egon Becker

Verkäuferin
Elektriker, Meister der volkseigenen Industrie,
Handwerksmeister
Tannenweg 6
04687 Trebsen

Als Kind einer ledigen Mutter 1933 geboren, wuchs das Mädchen Christa nach Eheschließung ihrer Mutter mit einer Schwester in der Familie auf. „Es war eine schöne Kindheit“ berichtet sie, trotzdem ihr Vater – ein Kommunist – verfolgt und inhaftiert war und es eine arme, für die Mutter oft schwere Zeit war. In einer Küche und einem Schlafzimmer spielte sich anfangs das gesamte Familienleben ab. Doch die Eltern taten für ihre Töchter alles was ihnen nur möglich war. Die Mutter arbeitete in einer Gärtnerei, der Vater verrichtete schwere Arbeit im Steinbruch. Kleidung wurde aufgetragen, gute Sachen nur Sonntags angezogen. 1940–1948 besuchte das Mädchen Christa die Schule. Gerne wäre sie im Anschluss Kindergärtnerin geworden, erhielt jedoch keinen Ausbildungsplatz. So ging sie für ein Jahr auf eine Schule für soziale Mangelberufe, lernte danach bei der Konsumgenossenschaft den Beruf Verkäuferin. Bereut hat sie das nie, wie sie erklärt mit: „Ich war dann mit Leib und Seele Verkäuferin“ und von den Anfängen berichtet: Ein primitiv ausgestatteter Laden, die Butter kam in Blöcken, musste geschnitten werden. Anderes kam in Säcken und musste ausgewogen werden. Es gab Lebensmittelmarken. „Haben wir nicht“ musste sie oft sagen und bei der Zuteilungsware auf Einhaltung der Vorgaben achten. 1957 heiratete die ihren Mann Egon. Im gleichen Jahr wurde Tochter Marlis geboren (Verwaltungsangestellte), über die sich auch der bereits 1953 geborene Sohn Günter (Schlosser) freute. Nach der Eheschließung und Betreuungszeit für die kränkelnde Tochter wechselte Christa Becker in die HO (Handelsorganisation). Der Start in das junge Eheleben war nicht einfach. Egon Becker arbeitete auf Montage, Wohnraum war nicht zu bekommen. Viele Jahre lebte die Familie deshalb bei den Eltern. Dann reichte es Egon Becker. Seine persönliche Beschwerde im Berliner Ministerium brachte schließlich Abhilfe. „Und dann hatten wir kein Geld die große Wohnung einzurichten, alles gelang nur nach und nach. Nicht wie heute wo alles gleich da ist, alles gleich sein muss....“ vergleicht Christa Becker die damaligen Bedingungen mit der heutigen Zeit. Sie blieb in der HO tätig bis sie aus gesundheitlichen Gründen und mit erst 52 Jahren berentet wurde (1985 / Invalidenrente). Egon Becker, 1933 geboren, arbeitete zu dem Zeitpunkt noch. Gemeinsam mit einer Schwester wuchs er behütet auf. Der Großvater hatte mit Hilfe eines übereigneten Grundstücks und eines zinslosen Kredites 1928 ein Haus gebaut, in dem die Familie mit drei Generationen lebte. Während seines Schulbesuches lernte Egon Becker bereits seine Frau kennen, die in der gleichen Klasse lernte. „Gefunkt“ hat es aber erst später beim Tanz, wie beide berichten. Egon Becker lernte nach dem Schulabschluss den Elektriker-Beruf in der Papierfabrik Wiede & Söhne. Einer Empfehlung folgend, wechselte er in das Montagewerk Siemens, später in den VEB Starkstromanlagenbau Leipzig und arbeitete fortan auf Montage. Immer das Bedürfnis habend sich einmal selbstständig zu machen, qualifizierte es sich nebenher zum Meister der volkseigenen Industrie und zum Handwerksmeister. Doch die Handwerkskammer ließ seine Selbstständigkeit für Bewerber aus der volkseigenen Industrie nicht zu. Egon Becker verließ deshalb seinen Betrieb und nahm die Arbeit in einem privaten Handwerkbetrieb auf. Die letzten 20 Jahre seines Berufslebens arbeitete er in der PGH Grimma. Es war ein arbeitsreiches Berufsleben mit lernreichen und für die Familie oft entbehrungsreichen Jahren. Egon Becker arbeitete 10 Jahre nebenher als Bedienung in der Gastronomie damit die Familie gut über die Runden kam. 1993 ging er in die Rente „und dann ging es los“, berichtet er von Hausumbau und auftretenden gesundheitlichen Problemen. Im Jahr 2017 feierten die Beckers ihren 60. Hochzeitstag, 2018 ihren 85. Geburtstag. Sie sind stolz auf das Erreichte, Egon Becker insbesondere auf den „Goldenen Meisterbrief“. Körperlich hat die Kraft leider nachgelassen, doch geistig sind sie besser auf der Höhe als manch 70-jähriger. Jetzt wünschen sie sich nur noch eins: Zusammen bleiben!
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