MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Gisela und Rolf Beer

„Der Wille versetzt Berge“ (Volksweisheit)

Gisela und Rolf Beer

Neuhausen Nr. 6
04736 Waldheim
Fon: 034327 / 51003

Als jüngste von fünf Mädchen kam Gisela Beer am 11.11.1944 auf die Welt und das Datum für den Beginn des Karnevals wurde zum Beginn eines turbulenten Lebens für sie. Die Eltern hatten eine große Bauernwirtschaft und was für viele in der Nachkriegszeit der Versorgung wegen erstrebenswert schien, bedeutete auf dem 5-Mädel-Hof anpacken an allen Enden. Die Industrialisierung hatte eingesetzt, Arbeitskräfte in der Landwirtschaft waren rar. Die Mädchen halfen beim Pflügen, in der Heuernte, verzogen Rüben, lasen Kartoffeln, banden Getreidegarben, hüteten im Herbst die Kühe....viel Zeit zum spielen blieb da nicht. Die Schulzeit verbrachte sie anfangs in einer Schule mit drei Klassen in nur einem Zimmer und einem Lehrer für alle. Während ein Schuljahr schrieb oder rechnete, wurde mit dem anderen lesen geübt. Der Lernerfolg war entsprechend gering. Durch die Felder und bei Wind und Wetter, im Sommer und Winter wurden die ca. fünf Kilometer zur Schule gestapft. Das Ende der Privatwirtschaften in der Landwirtschaft 1959 fiel mit dem Ende der Schulzeit von Gisela Beer zusammen. Sie lernte den Beruf der Industrieschneiderin, was ihr später, nach eigener Familiengründung (Hochzeit 1967, Geburt Tochter Silvia, Lehrerin) zu passe kam und Heimarbeit ermöglichte. 1974 folgte Tochter Grit (selbstständige Finanzberaterin, Maklerin). Beide Mädchen sorgten für vier Enkelkinder und wie kann es anders sein – alles Mädchen. Ab 1971 arbeitete sie bis 2002 (Schließung des Werkes) wieder in der Industrie als Näherin, erinnert sich noch an die gute Kollektivität vor und die schnell einsetzende Ellenbogenwirtschaft nach der Wende. Mit 58 Jahren arbeitslos fand sie keine Chance mehr auf Beschäftigung. Gut, dass der Kredit für das 1994 gebaute Haus zuvor aufgenommen worden war, denn nun hätten die Eheleute ihn nicht mehr bekommen. 1995 waren die eigenen Wände bezogen und boten nach Ausstieg aus dem Berufsleben nun Möglichkeit der Beschäftigung. Ehemann Rolf wurde 1946 geboren. Der Vater arbeitete als Tischler, die Mutter widmete sich der Betreuung und Erziehung der fünf Kinder. Rolf Beer lernte nach Schulabschluss den Maurerberuf, arbeitete als solcher vorwiegend in Montage auf Großbaustellen wegen des besseren Verdienstes. An großen Sachen mitwirkend, war das eigene Haus zu bauen doch sein schönstes Projekt. 13 Jahre bis 1991 arbeitete er beim VEB Kies- und Naturstein Beucha, bis 1994 in den alten Bundesländern, später weitere vier Jahre in einer Trockenbaufirma bis er arbeitslos wurde und gar in HARZ IV rutschte. „Und der Kredit für das Haus lief, den haben wir noch davon abgezahlt....“, berichtet Gisela Beer und davon später mit Abzügen in die Rente gedrängt worden zu sein. Beide fragen sich heute noch wie sie das geschafft haben. Mit Recht sind sie deshalb sehr stolz auf das so Geschaffene, genießen den Garten, halten Kleintiere und möchten gesund bleiben um alles noch lange erleben zu dürfen.
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