MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Dr. Lutz Becker

Individuelle Höhepunkte, universelle Perspektiven

Lutz Becker

Tierarzt i. R.
07368 Remptendorf

Heute empfindet Dr. Lutz Becker höchste Genugtuung darin, in Ausgeglichenheit und Zufriedenheit sowie ohne Hader und Zwist leben zu können. Sein Wunsch ist es, noch etwas zu leben inclusive noch etwas zu erleben und dies ist mehr als verdient, denn sein Alltag war über Jahrzehnte bis zum obersten Rande mit Arbeit gefüllt. Geboren wurde Lutz Becker am 17.08.1938 in Leipzig. 1943 ausgebombt, brachte der Vater seine Familie, um weiteren Bombenangriffen zu entgehen, zu Verwandtschaft nach Ebersdorf. 1945 verstarb sein Vater nur sechs Wochen nach seiner Heimkehr aus Kriegsgefangenschaft an Lungentuberkulose. 1946 zog die Mutter mit ihren beiden kleinen Söhnen in ein sogenanntes Behelfsheim, um welches sich der Vater noch gekümmert hatte. Später brach Lutz Becker eine begonnene Tischlerlehre ab, legte anstatt dessen an der Oberschule das Abitur ab, studierte Veterinärmedizin und hatte mit nur 23 Jahren den Doktortitel erlangt. Derartig jung, begann er in einer Tierarztpraxis in Thimmendorf und erarbeitete sich schnell einen sehr guten Ruf. Durch extrem schwere Arbeit waren schon 1973 seine Gelenke verschlissen. Er wechselte als Fachtierarzt für Geflügel und Schweine an die neu errichtete Schweinezuchtanlage in Thimmendorf und erwarb zusätzlich den Abschluss als Fachtierarzt. Doch das Pensum wuchs. Nebenberuflich als Betriebsleiter agierend, betreute er darüber hinaus eine weitere Mastanlage mit 6.000 Schweinen und als die Leiterin erkrankte, übernahm er für ein Jahr auch noch deren Aufgaben. Nach der Wende entschied sich Dr. Becker dafür, sich mit eigener Praxis in die Selbstständigkeit zu begeben. Seine erste Ehefrau Lieselotte, ebenfalls Dr. der Veterinärmedizin, starb, als die Kinder noch klein waren. 1970 ging er die zweite Ehe mit seiner Frau Helga ein. Gemeinsam hatten sie nun sechs Kinder und ein weiteres sollte sich hinzu gesellen. Alle sieben legten das Abitur ab und sind heute Akademiker oder Unternehmer. Die letzten sieben Jahre ihres Lebens pflegte Dr. Lutz Becker neben der Arbeit aufopferungsvoll seine Frau. Helga Becker verstarb nach 43 Ehejahren 2014. Um Kummer und Leid besser ertragen zu können, stürzte er sich in noch mehr Arbeit – mit dem Ergebnis, dass er selber an Überarbeitung erkrankte. Als der Körper die Notbremse zog, zog Dr. Becker logische Konsequenzen. Er verabschiedete sich von seinem Beruf. Seit 2015 bleiben die Praxistüren geschlossen. Nun ist die Zeit gekommen, sein Dasein ohne den enormen Arbeitswust zu genießen und die schönen Dinge zu „er-leben“. „Die Urzelle der geschichtlichen Welt ist das Erlebnis.“ (Wilhelm Dilthey) Und diese individuellen Höhepunkte eröffnen Dr. Lutz Becker auch immer wieder universelle Perspektiven.
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