MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Hermann Beer

Rentner haben für vieles Zeit

Hermann Beer

Tapezierer / Hauer
04600 Altenburg

In Lehndorf, südlich von Altenburg kam Hermann Beer 1944 zur Welt. Er besuchte die Schule bis zur 8. Klasse (1950/58) und konnte bei einem privaten Handwerksmeister eine Lehre zum Tapezierer 1961 abschließen. Die Vielseitigkeit des Berufs, die Polsterei und Dekoration einschloss, gefiel dem jungen Mann, aber das Salär war doch recht niedrig. So wechselte er bald in die Sattlerei des Karosseriewerks. Noch bessere Löhne zahlte der Bergbaubetrieb Wismut AG. Hermann Beer hatte 1964 gerade geheiratet, wollte eine Familie ernähren, er entschied sich als Transportarbeiter dort anzufangen, war für Jahre auf den Landstraßen unterwegs. 1968/69 holte ihn die Armee, wo er dank handwerklicher Pfiffigkeit den Wehrdienst relativ unbeschadet überstand. Zurück bei der Wismut AG arbeitete er drei Jahre in deren Munitionslager, ließ sich dann 1972 zum Hauer ausbilden und hatte seinen Platz fortan untertage. Mit dem Ende sozialistisch verordneter Produktionsstrukturen kam ein Auf und Ab ins Berufsleben. Auffanggesellschaft, Kurzarbeit Null, Arbeitsamt, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen hießen die Stationen, ehe er dank Bergmanns- und Berufsunfähigkeitsrente mit 60 Jahren in den Ruhestand wechseln konnte. Doch Engagement kennt keine Altersgrenzen. 1989 hatte er einen Kleingarten übernommen, wurde noch im selben Jahr Vorsitzender des Gartenvereins und ist es bis heute. Er hatte zu drechseln, ein kleiner Nebenerwerb. Er wurde fliegender Händler für Wein und andere Dinge und für einen Dokumentarfilm des ZDF als Komparse engagiert. Er half seiner Tochter, die eine Mittelaltergaststätte im brandenburgischen Beeskow betrieb. Seit 2005 waren in jedem Sommer die Altenburger Prinzenraub-Festspiele ein Fixpunkt mit großem Probenaufwand und dreiwöchiger Aufführungsserie. Als die Festspiele 2011 zu Ende gingen, engagierte er sich weiter im Förderverein, der mit der eigenen Variante „Prinzenraub on Tour“ in Altenburg und Umgebung vielfach Präsenz zeigen konnte. Familiär hatte Hermann Beer auch die Rückschläge des Lebens kennenzulernen. Seine Frau Hannelore starb 2007, seiner Tochter, deren erster Bezugspunkt er war, weil die Geburt einst schon fast der Mutter das Leben gekostet hätte, versagte 2009 das Herz. Letztendlich hat auch Hermann Beer ärztliche Kunst helfen müssen, dass sein Herz in Dankbarkeit weiter bis heute schlägt. Nun sind der Sohn und eine neue Lebensgefährtin seine Begleiter.
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