MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Karin Kautz

Nein hat bei ihr noch keiner gesagt

Karin Kautz

Karin Kautz
Standesbeamtin
07751 Jena

Sie hat in ihrer beruflichen Laufbahn knapp 4000 Eheschließungen vollzogen. Und nicht ein einziges Paar, das sich bei ihr „getraut“ hat, gab ihr ein Nein. Karin Kautz aus Jena war mit Leib und Seele Standesbeamtin. Der Beruf war ihr in den über 30 Jahren stets Berufung, erklärt die Mutter von drei Kindern und Oma von sechs Enkeln. Dabei kam sie nicht sofort zu ihrem Amt bei der Stadt in Jena, das sie bis 2016 ausübte und heute noch als Rentnerin in der Urkundenstelle stundenweise aus Liebe zur Sache inne hat. Geboren 1950 in Eisenberg, ging sie in der thüringischen Kleinstadt zehn Jahre lang zur Schule. Einer ihrer Lehrer hatte ihr in der 9. Klasse empfohlen, doch beruflich in Richtung Kindererziehung zu gehen. Karin, die es ursprünglich zur Biochemie oder Geschichte zog, studierte schließlich zwei Jahre an der Pädagogischen Fachschule für Kindergärtnerinnen in Gotha. Als Absolventin wurde sie nach Bürgel vermittelt. Von 1969–1975 arbeitete die junge Kindergärtnerin in Kindereinrichtungen im Töpferstädtchen, zwischen Eisenberg und Jena gelegen. Inzwischen verheiratet mit Lothar Kautz (1969 bis zu seinem Tod 2015, Finanzökonom, Gründer und Chef einer Glas- und Gebäudereinigung) und junge Mutter (Sohn Thomas, geboren 1970, Tochter Antje, geboren 1974)), zog sie mit ihrer Familie 1975 um – in eine größere Wohnung nach Jena. 1979 kam ihr drittes Kind Ulrike zur Welt und Karin Kautz nahm das vom DDR-Staat bezahlte Babyjahr in Anspruch, blieb ein Jahr zu Hause. Während dieser Zeit war bei der ausgebildeten Kindergärtnerin, zuletzt als stellvertretende Leiterin im Zeiss-Betriebskindergarten, der Entschluss gereift, nicht wieder in ihren Erzieherberuf zurückzukehren. Durch eine Bekannte erfuhr sie, dass bei der Stadt eine Mitarbeiterin in der Urkundenstelle gesucht wurde. Sie erhielt die Zusage der Stadt. Karin Kautz schaffte es, mit Unterstützung ihres neuen Arbeitgebers, aus der Volksbildung rauszukommen, was ja zu DDR-Zeiten nicht so leicht war. Sie trat zu Jahresbeginn 1981 ihren Dienst als Verantwortliche der Urkundenstelle im Standesamt Jena an. Zu Namensänderungen und Bearbeiten von Auslandspost kamen weitere Aufgaben hinzu – vor allem Eheschließungen. Als im Zuge der Wende die Urkundenstelle aufgelöst und neue Strukturen bei der Stadt geschaffen wurden, blieb es für Karin Kautz spannend. Neben Trauungen hatte die Standesbeamtin (seit 1995 verbeamtet und nun im gehobenen Dienst) unter anderem noch Geburts- und Sterbeurkunden auszustellen. Standesbeamtin zu sein, „das war mein Leben“, sagt die Thüringerin, die reingewachsen ist und Lehrgänge in Bayern besucht hat, um sich mit den bundesdeutschen Gesetzlichkeiten schnell vertraut zu machen. Sie hat spätere Kollegen und Freunde ihrer Tochter Antje getraut, manchmal im August drei Sonnabende hintereinander Eheschließungen vollzogen. Auch Lebenspartnerschaften, die zwei Frauen und zwei Männer miteinander eingegangen sind, hat sie von Amts wegen begleitet. Für Karin Kautz längst Normalität, wie sie sagt. Am schönsten ist es für sie, wenn Leute auf der Durchreise sind und vorbeikommen, um noch einmal das Trauzimmer zu sehen, in dem sie den Bund fürs Leben geschlossen haben. „Darüber freue ich mich“, bekennt Karin Kautz. Gesundheit, Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung und Harmonie in der Familie sind für sie Glück. Noch einen besonderen Wunsch will sich die anerkannte Standesbeamtin in ihrem Leben erfüllen – „eine große Reise machen, möglichst nach Indien und einmal das Taj Mahal sehen“, schwärmt sie. Neben Reisen liest sie gern und findet Entspannung bei der Bewirtschaftung von Haus und Garten.
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