MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Ute und Hans-Jürgen Kehr
Zwischen Rennreifen und Sportberichten
Diplom-Ingenieurin (FH) für Elastverarbeitung
Journalist
Heinrich-Heine-Str. 30
99880 Waltershausen
Über vierzig gemeinsame Jahre (Heirat 1975), ein Sohn (1976), zwei Töchter (1978, 1982) und die im selben Betrieb, dem VEB Gummiwerke „Albert Lambertz“ in Waltershausen, verbrachten Jahre verbinden das Ehepaar.
Ute Kehr wurde 1954 in Gotha geboren, schloss hier die 10. Klasse ab. Ihre Lehre als Gummifacharbeiter dauerte drei Jahre, denn sie war mit dem Abiturabschluss verbunden. So konnte sie nahtlos das Studium in Fürstenwalde anschließen. Ihre Ausbildung ist heute als Diplom-Ingenieur (FH) anerkannt. Die Praxis im Rahmen des Studiums führte sie zum VEB Plastina Erfurt, wo sie die Aufgabe löste, größere Luftballons auf automatischen Anlagen herzustellen. Danach begann sie im VEB Gummiwerke in Waltershausen, wo unter anderen Reifen und Fahrradschläuche hergestellt wurden. Hier kümmerte sie sich als Produktionsingenieur um die kleine Abteilung, die Kowalit-Rennreifen für den Leistungssport herstellte. Als sie wegen der Kinder kürzer treten wollte, verzichtete sie 1983 auf den Vollzeitjob und arbeitete bis 1992 als Technologin im Bereich Hydraulikschläuche. „Gerade in der Wendezeit waren meine Gedanken bei unseren Kindern, wie gehen sie mit der neuen Freiheit um“, machte sie sich Sorgen um die Zukunft. Sie erlebte den Wechsel der Firmenbezeichnungen nach dem Ende der volkseigenen Betriebe, überzeugte durch ihre Arbeit in der Phoenix GmbH und bei der Eingliederung in die Continental AG, zuletzt als ContiTech GmbH. In den Jahren von 2004 bis Oktober 2015 fand sie in der Entwicklung von Klimaschläuchen interessante Herausforderungen. Sie vertrat den Betriebsleiter.
Auch Hans-Jürgen Kehr (Jahrgang 1951, geboren in Ettenhausen/ Nesse), lernte nach dem Abschluss der zehnjährigen Polytechnischen Oberschule den Beruf eines Gummifacharbeiters in Waltershausen. Danach absolvierte er seine anderthalbjährige Armeepflichtzeit. 1972 ging er nach Fürstenwalde zu Studium, wo sich die beiden Thüringern kennenlernen. Zurückgekehrt zu den Gummiwerken Waltershausen, arbeitete er von 1975–1983 in der Abteilung Fahrraddecken als Produktionsingenieur und Abteilungsleiter. „Ich wollte mit Menschen arbeiten und machte so meine Erfahrungen fürs Leben“, erkannte er schon früh, nicht alle über einen Kamm scheren zu können, zuhören zu lernen und andere Meinungen zu akzeptieren. 1983 wechselte er in die Verwaltung, übernahm 1986 die Redaktion der Betriebszeitung „Der Gummiwerker“. Ein 1990 abgeschlossenes Fernstudium an der Fachschule für Journalistik in Leipzig qualifizierte ihn zusätzlich. Ende 1990 wechselte er in die Gothaer Lokalredaktion der „Thüringer Allgemeinen“, berichtete zunächst von den eher alltäglichen Dingen. Als die Sportberichterstattung aufgewertet wurde, verantwortete er seitdem bis 2012 den Lokalsport, war dadurch nun viel abends und an den Wochenenden unterwegs. „Mein Freund hat mal gesagt, ich sei zu gut für diesen Job, wo er nicht unrecht hatte. Doch ich habe viel über menschliche Züge erreichen können, wenn es oft auch an die Grenzen ging“, möchte er diese Zeit nicht missen, wenn auch das Familienleben sehr darunter leiden musste. Seit 1966 singt er schon im Mechterstädter Volkschor, acht Kamerun-Schafe stehen im großen Gartengrundstück. Zudem nutzt er die Freizeit zum Trommeln, Kradfahren und für den Karneval. Sechs Enkelkinder sind der ganze Stolz des Ehepaares.