MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Mechthild Kauf
Was man selbst nicht erlebt hat, kann man kaum nachvollziehen
Vor dem Halleschen Tor 1
06780 Zörbig
Fon: 034956 / 25606
Eine Freundin weckte in der 1944 geborenen Mechthild Hendricks den Wunsch, nach der 10. Klasse eine Lehre als Apotheken-Facharbeiter aufzunehmen. 1963 beendete die junge Frau diese Ausbildung, arbeitete im Beruf in einer Apotheke in Gerbstedt. Durch die Eheschließung mit dem Ingenieur-Ökonom Christian Kauf erfolgte 1968 ein Wohnortwechsel nach Sandersdorf und sie nahm die Arbeit in der Stadt-Apotheke am Markt in Bitterfeld auf. Nie wäre sie auf die Idee gekommen freiwillig in die triste Umgebung von Bitterfeld zu ziehen, doch das Stellenangebot für ihren Mann umfasste auch eine Wohnungszuweisung und auf eine solche waren sonst mehrere Jahre Wartezeit üblich. Das konnte man als junge Familie einfach nicht ausschlagen! Nach einigen Jahren praktischer Arbeit im Beruf nahm Mechthild Kauf ein Fernstudium an der Pharmazieschule Leipzig, Außenstelle Halle auf und studierte 4 ½ Jahre berufsbegleitend und mit dem Abschluss Pharmazieingenieur. 41 Jahre in der Bitterfelder Stadt-Apotheke tätig, blieb sie auch nach dem Eintritt in die Rente 2009 dieser und den Patienten noch drei weitere Jahre durch stundenweise Tätigkeit erhalten. So erlebten die Bitterfelder zwar mit der Wende viel Wandel, doch in ihrer Apotheke blieb Gewohntes erhalten. Der zu DDR-Zeit leitende Apotheker hatte mit der Tochter der Besitzer vor der Verstaatlichung nach der Wende die Privatisierung durchgeführt, das komplette Personal übernommen und es verstanden den Teamgeist zu erhalten und damit den Angestellten eine berufliche Heimat und den Kunden eine gute Betreuung zu bieten. Für Mechthild Kauf war dieser Umstand persönlich von großer Bedeutung, denn im Jahr 2009 verstarb ihr Ehemann, kurz nachdem zuvor im jungen Alter von 28 Jahren bereits ihr gemeinsamer Sohn Markus einem plötzlichen Herztod erlegen war. Eine schwere Zeit, die nur mit zwei Dingen zu bewältigen war: Mit dem Gebrauchtwerden in der Apotheke, der stundenweisen Beschäftigung dort und dem guten Verhältnis zu ihrer Schwiegertochter und der Freude am Enkel, dessen Aufwachsen sie noch lange begleiten möchte. Die Kraft für die Bewältigung ihrer Lebensaufgaben und Schicksalsschläge erwächst aus ihrem christlichen Glauben, erzählt sie und davon, dass sie sich in einer der weltweit 5800 Kolpingsfamilien (Kolpingwerk – Internationaler katholischer Sozialverband) gut aufgehoben fühlt. Trotzdem sie so viel durchleben musste, bezeichnet sie sich als fröhlichen Menschen und empfindet es als Glück anderen Menschen eine Freude zu machen. Gerade deshalb bedauert sie auch die Entwicklung zum ausgeprägten „Ich-Bezug“ nach der Wende. Doch ansonsten freut sie der Wegfall der Zwänge und liebt sie es die Reisemöglichkeiten auszuschöpfen. Indessen fühlt sie sich aber auch in ihrer Heimatregion wohl, erkundet sie mit dem Rad, geht schwimmen und liest viel.