MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Kurt Kauschat
„Kuddel“ – Die Boxtrainerlegende von Stendal
Trainer Boxen im Eisenbahner Sportverein Lok Stendal e. V.
August-Bebel-Straße 9
39576 Stendal
Fon: 03931 / 417683
Zwei Brüder aus der Nachbarschaft nahmen einst den neunjährigen Kurt zum Boxen mit. Das war im ostpreußischen Memel, dort, wo er 1931 geboren wurde. Der Vater, selbst ein Boxliebhaber, unterstützte seine sportlichen Aktivitäten. Die Flucht aus der Heimat mit der Mutter und den Geschwistern endete in der Altmark. Kurt Kauschat ging bei der Stendaler Eisenbahn AG in die Lehre und wurde Maschinenschlosser. Währenddessen übte er seinen geliebten Sport im Stendaler Sportverein aus. Seine Erfahrungen im Ring beschreibt er heute so: „Boxen ist für mich ein fairer Kampf Mann gegen Mann, aber kein wildes Gekloppe“. In der Folge von zwei Operationen musste er im Alter von 17 Jahren seine aktive Laufbahn als Boxer beenden. Das war jedoch für Kurt Kauschat kein Grund, sich vom Boxsport zu verabschieden. Er wurde Trainer und machte die Lizenz zum Punkt- und Ringrichter. Mit seiner nicht unwesentlichen Mithilfe wurde in Stendal ein DDR-Trainingszentrum Boxen installiert. Seine Trainingsmethoden und die damit verbundenen Erfolge machten ihn bekannt und brachten ihm hohe Anerkennung. Kurt Kauschat sammelte mit „seinen Jungs“ Landes- und Bezirksmeistertitel. Er durfte als Gasttrainer beim TSC Berlin tätig sein. Bald war der Name „Kuddel“ – wie seine Freunde ihn nennen – ein Qualitätsbegriff in der Boxwelt der DDR. Noch heute steht der Endsiebziger drei- bis fünfmal pro Woche in der Trainingshalle, um den Nachwuchs zu betreuen. Neben dem Training legt er besonderen Wert auf das persönliche Gespräch mit seinen Schützlingen und ihren Eltern. Die Gesamterziehung ist ihm wichtig. „Das Vertrauen zum Trainer ist eine wichtige Sache, denn ich will nicht nur Trainer sein, sondern auch Freund“, kommentiert er seine Arbeit. Die mit Auszeichnungen und Ehrungen überhäufte Stendaler Boxlegende sieht sich dabei nur stellvertretend für alle seine ihm anvertrauten Sportler. Der Träger der Goldenen Ehrennadel des Deutschen Amateurboxverbandes als höchste Auszeichnung, die der Verband zu vergeben hat, ist besonders stolz auf seine zwei Söhne, die ihm als aktive Boxer nacheiferten. „Boxen fängt im Kopf an“, ist vielleicht die wichtigste Aussage von Kurt Kauschat als Trainer. Und sollte es noch jemanden geben, der ihn als solchen nicht kennt und ihn in seiner Stendaler Wohnung besucht, wird hier spätestens im Flur aufgeklärt. Dort hängen Boxhandschuhe, Urkunden und Fotos, auf denen er gemeinsam mit solchen Boxgrößen wie Max Schmeling, Henry Maske und Ulli Wegener zu sehen ist.