MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Christa Katzbeck
Unterstufenlehrerin i. R.
06618 Naumburg
Sie wirkt sehr ernst. Das Schicksal hat ihr Schweres aufgebürdet. Doch Christa Katzbeck ist nicht unglücklich. Ihr Leben sei so verlaufen, dass sie zufrieden sei, sagt sie. Sie war das zweite von vier Kindern. Geboren 1932 in Lissen und aufgewachsen in Naumburg. Der Vater und der ältere Bruder kamen aus dem Krieg nicht zurück. Ihre Mutter musste die Familie allein durchbringen. Sie ging Kartoffeln stoppeln oder Ähren lesen, um das schmale Familienbudget aufzubessern. Jede Hilfe konnte sie gebrauchen. Doch sie stimmte zu, dass ihre begabte Tochter auf dem Domgymnasium 1951 das Abitur machte. Für ein Sportstudium war Christa Katzbeck schon immatrikuliert. Liebe und Schwangerschaft durchkreuzten ihre Zukunftspläne. 1951 heiratet sie den Russischlehrer Rolf Katzbeck. Als Abiturientin bekommt sie eine neue Chance. Sie besucht einen Kurzlehrgang und wird Lehrerhelferin für Geographie. Die zweite Lehrerprüfung legt sie nach einem Fernstudium 1953 ab. In Mücheln und Naumburg unterrichtet Christa Katzbeck die Unterstufe. Sport gibt sie in der 6. bis 8. Klasse.
Nach der Geburt ihres dritten Kindes bleibt Christa Katzbeck zu Hause. Sie will für die Kinder da sein. Trotz ihrer angegriffenen Gesundheit bringt sie 1959 ein viertes Kind zur Welt. Das Schulamt klopft an ihre Tür. Christa Katzbeck übernimmt Vertretungsstunden. Das Unterrichten macht ihr wieder Spaß. Für 16 Wochenstunden geht Christa Katzbeck dann in den Schuldienst zurück, später wurde sie invalidisiert. 12 Jahre war Christa Katzbeck Vertretungslehrer.
1986 stirbt ihr Mann. Neun Jahre hat sie ihn aufopferungsvoll gepflegt. Drei Jahre später gibt Christa Katzbeck den Schuldienst auf. Sie kümmert sich um ihre demenzkranke Mutter, die bei ihr lebt. „Meine Mutter war immer für mich da. Ihr verdanke ich, dass ich Lehrerin werden konnte“, betont sie. „Ich tanzte gern. Sie ließ mich zur Tanzstunde gehen. Ich wollte Geige lernen, und meine Mutter ergatterte in einem Tauschhandel eine nachgebaute ,Stradivari‘.“ Geigenunterricht gibt ihr die Geigenlehrerin. Sie spielt im Schüler- und Domorchester und singt im Chor.
Auf die Unterstützung ihrer Familie habe sie sich immer verlassen können, meint Christa Katzbeck. Vor allem ihre jüngste Tochter, eine Krankenschwester, sei ihr eine große Hilfe. Die ehemalige Lehrerin hat ein Faible für klassische Musik. Sie liest gern und liebt Hörspiele. „Ich möchte wieder Geige spielen können“, gesteht die 77-Jährige. „Und lange genug leben, um noch ein Urenkelchen in den Armen zu halten …“