MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Vera und Jürgen Kanther
„Das Leben wird nachTaten gemessen, nicht nach Tagen.“ (Metastasio)
Keramikerin, Gärtnerin für Obstbau
Maurer
Staupitzstr. 6
04668 Grimma OT Ostrau
Als Vera Wegehaupt 1952 in Commichau geboren, erlebte das Mädchen mit ihren beiden Schwestern eine schöne Kindheit. Taschengeld wurde selbst erarbeitet mit Hilfe Kartoffel- und Rüben-Ernte sowie bei der Hopfen- oder Sauerkirsch-Ernte. 1958–1966 besuchte sie die Schule, nahm dann eine Lehre im Porzellanwerk Colditz zur Keramikerin auf. Nach zwei Jahren und mit dem Facharbeiterbrief in der Tasche, wechselte die junge Frau in die Küche des Betriebes. In riesigen Kesseln wurde hier für mehr als tausend Werktätige im eigenen und in Fremdbetrieben gekocht. Drei Essen waren täglich im Angebot. Ein allgemeines Gericht für 80 Pfennige. Für den gleichen Preis ein Schonkost-Essen und für einen geringen Aufpreis ein Wahlessen. 1972 arbeitete Vera Kanther in der LPG Obstbau Dürrweitzschen im Obstbau. Doch gesundheitliche Gründe zwangen zum Tätigkeitswechsel – nun in die Küche des betriebseigenen Kulturhauses. Mit der Wende wurde sie in die Imbissversorgung an die A 14 versetzt. Arbeitslosigkeit folgte. Die Pflege von Schwiegermutter und Schwiegervater forderten sie. Eine Einstellung bei der Firma Erntebrot Döbeln ab 2011 ermöglichte noch einmal das Familieneinkommen aufzubessern. Was Leistungsdruck bedeutet lernte sie hier schnell kennen. Trotzdem arbeitet sie heute noch auf 450 €-Basis als Aushilfskraft, denn die Rente ist nicht üppig. Der zusätzliche Verdienst ermöglicht den einen oder anderen Zusatzwunsch zu realisieren. Ihre freie Zeit genießt sie gemeinsam mit ihrem Mann.
Jürgen Kanther wurde 1948 als Sohn einer Landwirtin und eines Mühlenarbeiters in Leisnig geboren. Drei Jungen waren sie zuhause und „...auf der kleinen Klitsche ging es beschaulich zu. Schulaufgaben waren nicht so wichtig wie die Hilfe auf dem Hof und die Versorgung des Viehs...“ erzählt Jürgen Kanther. Nach acht Jahren (1954–1962) beendete er die Schule. Er wollte gerne einen handwerklichen Beruf ergreifen. Der Großvater ging in ein Baugeschäft und besorgte eine Lehrstelle für seinen Enkel, der nun den Maurerberuf lernen konnte. Kurz nach Beendigung der Lehre erfüllte Jürgen Kanther seine Wehrpflicht und nahm anschließend die Arbeit als Betriebshandwerker im landwirtschaftlichen Betrieb Obstland Dürrweitzschen auf. 20 Jahre lang war er hier tätig (1970–1990). Die dortige Arbeitsaufnahme war mit einer Wohnungszuweisung verbunden. Seit 1971 verheiratet, war das ein wichtiger Grund für seine Bewerbung in diesem Betrieb. Denn: Wohnraum war in der DDR schwer zu bekommen, lange Wartezeiten folgten den schwierigen Antragstellungen. Feierabendarbeit sorgte fortan für einen Zuverdienst. Das junge Paar wollte sich schließlich einrichten und am Leben teilhaben. Nach der Wende wurden alle Betriebshandwerker des Obstlandes gekündigt. Jürgen Kanther arbeitete erst beim Hochbau Grimma dann einige Jahre bei Schulze-Bau, der Baugilde und schlussendlich bis zum Renteneintritt 2013 als Betriebshandwerker in der Gemeinde Bockelwitz. Nebenher errichtete er sein Eigenheim das die Familie 1997 beziehen konnte und auf das die Eheleute sehr stolz sind. Haus, Hof, Hund und Zweisamkeit begründen nun das Glück der beiden. Zier-Enten sind zudem das Hobby von Jürgen Kanther.