MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Werner Kaiser

Unangepasster Chef

Werner Kaiser

98693 Ilmenau-Unterpörlitz

Mit der Weisheit des Alters rät er: Erst bis zehn zählen, bevor man antwortet. Früher hat sich Werner Kaiser mit manchem Satz, selbstbewusst und frei von der Leber weg geäußert, oft genug in Schwierigkeiten gebracht. Aber mit Witz und Selbstbewusstsein meisterte er alle Lebenslagen. Werner Kaiser wurde 1929 in Lindenthal bei Leipzig geboren und lernte nach der Schule Schlosser bei der Eisenbahn. Sein Arbeitsfeld: Dampflokomotiven. Per Abendschule bildete er sich zum Techniker fort und wurde Werksleiter in einem Betrieb in Zwenkau, der mit rund 300 Mitarbeitern Lüftungsanlagen herstellte. Dort entwickelte er ein patentiertes Verfahren zur Holztrocknung. Im sozialistischen und „befreundeten“ Ausland hielt er Fachvorträge und förderte den Export von Holztrockenmaschinen. Per Fernstudium qualifizierte er sich zum Ökonom und übernahm 1967–1975 die Werksleitung des VEB Labortechnik Ilmenau mit rund 1200 Mitarbeitern. 1976 bis 1990 war er als Abteilungsleiter der Außenstelle Ilmenau des VEB Medizin- und Laborwerke Dresden tätig. Eine prägende Erfahrung war 1945 der verheerende Angriff auf Dresden. Als Lehrling war er dort zum Feuerwehr- und Aufräumdienst eingeteilt. So etwas darf nie mehr geschehen, war er überzeugt und trat in der Hoffnung auf ein besseres System in die SED ein. Doch Bevormundung und ideologische Schönrederei schlechter Tatsachen waren seine Sache nicht. So wurde er schon mal wegen eines ketzerischen Witzes ins Ministerium beordert. Dass sein Sohn Seemann wurde, konnte offiziell nicht beanstandet werden. Aber dass die eine Tochter einen Österreicher heiratete, die zweite in den Westen verschwand, machte ihn für die Parteiführung recht verdächtig. 1988 trat er aus der SED aus und begründete diesen Schritt unter anderem damit, dass die DDR die Vereinbarungen nicht einhielt, die sie im KSZE-Abkommen zugesagt hatte. Nach der Wende erfuhr er, dass die Stasi fünf Arbeitskollegen als Spitzel auf ihn angesetzt hatte. Mit seiner 2004 verstorbenen Ehefrau Sonia war er 50 Jahre lang glücklich verheiratet. Seit er 1990 mit der Abwicklung des Kombinats in den Vorruhestand versetzt wurde, hat er mehr Zeit für sein Hobby, Spielzeug und Weihnachtsschmuck aus Holz zu bauen, vor allem aber für Familie und Freundschaften, die in den Berufsjahren oft zu kurz kamen.
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