MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Helene und Günter Kalusche
„Lebenskunst ist, Problemen nicht auszuweichen, sondern daran zu wachsen.“ (Anaximander)
Industriekaufmann
Schlosser
Karcha 3
01683 Nossen
Fon: 035244 / 41342
Als Einzelkind 1948 in eine Bauersfamilie hineingeboren, lebt Helene Kalusche (geb. Damme) im vom Großvater 1911 gekauften Haus. Aus der Kriegsgefangenschaft kommend übernahm ihr Vater vom kranken Großvater einst den Hof, führte die Landwirtschaft weiter. Fünf Hektar Land gehörten den Eltern (Kleinbauern) und das Mädchen Helene musste beizeiten in der Familie mithelfen. Zehn Jahre besuchte sie die Schule, lernte danach in der Papierfabrik Nossen den Beruf Industriekaufmann. Bis 1973 blieb sie ihm Anschluss im Lehrbetrieb tätig, dann musste sie sich privater Herausforderung stellen. Nach ihrer ersten Heirat 1972 war der jungen Familie ein Jahr später Sohn Jens zugewachsen. Seine starke Behinderung verlangte intensivste Zuwendung und Pflege und führte zur vorübergehenden Berufsaufgabe. 1974–1979 arbeitete Helene Kalusche in der Verwaltung im VEB Blechverpackung, musste dann wegen dem Sohn wieder zuhause bleiben. „Wer nicht förderungsfähig war, ging in der DDR nach Hause“ erzählt sie und dass eigentlich in der DDR immer beide Ehepartner arbeiteten, sie auch nur einen ganz geringfügigen finanziellen Ausgleich erhielt. Selbstlose Pflege und eigener Verzicht bestimmten auch ihr weiteres Leben.
Ehemann Günter wurde 1936 geboren. Der Vater verließ die DDR weil er nach der Rückkehr aus dem Krieg eine Arbeitsstelle im Uranbergbau zugewiesen bekam, die er nicht antreten wollte. Bewerbungen in anderen Betrieben blieben erfolglos, niemand durfte oder wollte ihn einstellen. Die Mutter folgte ihm ein Jahr später mit den drei Söhnen. Nach der Schule wäre Günter Kalusche gerne Tischler geworden. Das gelang nicht und deshalb verdingte er sich als Bergjungmann, arbeitete bis zum 18. Lebensjahr über, dann unter Tage in der Steinkohlenförderung. Vom Bergbau wechselte er in Chemische Werke, dann in eine Bauunion. 1960 kehrte er in die DDR (Greiz) zurück, seiner ersten Frau wegen. Die Ehe wurde geschieden. Er zog nach Sachsen, arbeitete in der Papierfabrik, der Möbelfabrik und 1973 bis zur Wende in der LPG als Schlosser. Eine ABM federte kurzzeitig den Verlust des Arbeitsplatzes durch LPG-Auflösung ab. Doch mit 55 Jahren folgten Altersübergang und später Renteneintritt. Seine Frau Helene hat er während der Arbeit in der Papierfabrik kennengelernt. 1974 wurde geheiratet. Tochter Kerstin aus erster Ehe, die gemeinsame Tochter Ines und zwei Enkel bereichern die Familie indessen. Die Leistungen von Helene Kalusche bei der Pflege des Sohnes und der Eltern ging oft bis an die Leistungsgrenze. Selbstlosigkeit liegt in ihrem Blut, Freundlichkeit bestimmt ihr Wesen. Nicht von ungefähr war sie deshalb in Volkssolidarität und Diakonie aktiv. Jetzt verläuft das Leben der Familie in ruhigeren Bahnen. Verdient, denn entbehrungs- und arbeitsreiche Jahre liegen hinter ihnen. Nun noch lange gesund bleiben, dann ist alles gut.