MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Gertrud Kaiser

… weil Ruhestand nicht Stillstand bedeutet

Gertrud Kaiser

Einzelhandelskauffrau
07546 Gera
 

Gertrud Kaisers Kindheit und frühe Jugend war vom Krieg geprägt. Sie wurde am 01.07.1931 in Gera geboren, besuchte ab 1938 die Volkschule. Sechs Tage vor Ende des Krieges trafen die Bomber der Alliierten Gera – und zerstörten die Familienwohnung. Gertrud ging zunächst zurück auf die Volksschule, denn die Mittelschule war 1945 geschlossen worden. Da ihr der Übergang zur Oberschule verweigert wurde, entschied sie sich mit dem Abschluss der 8. Klasse für die Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau in einem ortsansässigen Lebensmittelgeschäft. Dort blieb sie nach der Ausbildung für weitere zwei Jahre, sah jedoch keine Perspektive zur Weiterentwicklung und wechselte deshalb in den Großhandel „Deutsche Handelszentrale“. Sieben Jahre lang arbeitete sie im Tabaklager. Während dieser Zeit lernte sie ihren zukünftigen Mann, Werner Kaiser, kennen. Die beiden heirateten 1952, fünf Jahre später kam Sohn Wolfgang zur Welt. Nach der Geburt ihres Sohnes fing Gertrud in der EDV-Abteilung einer Großbäckerei in Gera an. Im Anschluss war sie in der Materialwirtschaft tätig, war verantwortlich für den Einkauf und die Verwaltung sämtlicher Betriebsmittel von der kleinsten Schraube bis hin zum großen Aggregat. Oft gab es Engpässe in der Materialbeschaffung, aber die Arbeit war vielseitig und machte Spaß. Gertrud konnte ihre Stelle bis zu ihrem Renteneintritt 1991 behalten. Ihre Freizeit wusste die rüstige Frau schon immer gut zu nutzen. Sie war im Elternrat, Kulturbund und Naturschutz aktiv – zweimal auf den Sportschule Greiz und Bad Blankenburg – und war Kampfrichterin im Schwimmverein, sowie 20 Jahre Dauerblutspenderin. 1977 übernahm sie die ornithologische Betreuung des Geraer Ostfriedhofs. Ein besonderes Herzensprojekt war 1991 außerdem ihr Engagement für den Verband der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermisstenangehörigen, der sich der Betreuung und Begleitung eben jener Personengruppen widmete. Als Landesschatzmeisterin, Geschäftsführerin und stellvertretende Vorsitzende war sie viel auf Reisen, besuchte Verbandsmitglieder und organisierte Veranstaltungen. Sie blieb dem Verband treu, bis dieser sich altersbedingt auflöste. Vorher gelang es ihr und ihren Mitstreitern noch, eine Entschädigung für die Betroffenen zu erkämpfen. Für ihr gesellschaftliches Engagement wurde sie mehrfach ausgezeichnet – der Höhepunkt war 2009, die Verleihung der Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Gertrud hat einen erwachsenen Enkel, ihr Mann ist letztes Jahr im Alter von 90 Jahren verstorben. Sie ist ein optimistischer Mensch, hält nichts von Jammern und wünscht sich, dass sie bei möglichst guter Gesundheit noch viele schöne Jahre vor sich hat.
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