MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Annemarie Kalsow
…und der Handwagen kam nicht abhanden
Lehrerin i. R.
Kleine Wollweberstr. 3
17033 Neubrandenburg
Fon: 0395 / 5826823
Annemarie Kalsow, 1935 im pommerschen Stettin geboren, besuchte ab 1941 die Schule, doch wurde der Luftschutzbunker in jenen Kriegsjahren oft genug Ersatz für das Klassenzimmer. Im März 1945 nahte die Front, die Familie wurde nach Müsselmow in die Nähe von Schwerin evakuiert. Da ihre Mutter zeitweise die die dort bald ansässige sowjetische Militärverwaltung zu bekochen hatte, gab es auch Momente ohne Hunger. Eigentlich sollten sie nach Stettin zurück, doch sie landeten auf dem Bahnhof von Güstrow, wo ein sowjetischer Soldat Gefallen an dem Handwagen fand, in dem – von ihm unbemerkt – die kleine Annemarie schlief. Das energische Nachsetzen ihrer Mutter rettete Kind und Handwagen. In Güstrow konnte endlich wieder die Schule besucht werden, dann ging es nach Neubrandenburg, wo der Vater Anstellung bei der Deutschen Reichsbahn gefunden hatte. Hier schloss die junge Annemarie die 8. Klasse ab, machte eine Lehre als Destillateurin beim VEB Vorwärts, einer Spirituosenfabrik. Längere Ausbildungsphasen fanden in Berlin und im sächsischen Wilthen statt. In Neubrandenburg ging sie nun der Arbeit nach, engagierte sich jedoch in jenen Aufbaujahren mit Enthusiasmus in der Jugendorganisation „FDJ“ und bald auch in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Mit deren Empfehlung besuchte sie ein Jahr die Bezirksparteischule in Burg Stargard, dann waren Heirat (1955) und die Geburten der beiden Kinder Eckhart und Edda bestimmende Elemente. Als Lehrer gesucht wurden, meldete sie sich zum Abendstudium, schloss dieses 1960 ab, wirkte danach als Unterstufenlehrerin. Ein Lehrgang in Friedland ermöglichte ihr, auch in der Mittelstufe Mathematikunterricht zu erteilen. In der Arbeit mit den Schülern fand sie nun für lange Jahre ihre berufliche Erfüllung. Als die DDR am 3. 10. 1990 Geschichte wurde, schied sie einen Tag zuvor aus dem Schuldienst. Sie hatte sich seit einigen Jahren als SED-Parteisekretärin ihrer Schule engagiert, fand nun keine Unterstützung mehr. Über Vorruhestandsregelungen führte der Weg in die Rente. Dies galt auch für ihren Mann Werner, inzwischen verstorben, der hauptamtlich erst FDJ-Sekretär, dann Mitglied der SED-Bezirksleitung war.
Vier Enkel, zwei Urenkel ergänzten beider Familienrahmen. Noch immer besucht Annemarie den Keramik-Zirkel, in dem sie schon in DDR-Zeiten aktiv war, fertigt zudem in Patchwork-Technik andere handwerkliche Kleinigkeiten.