MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dipl.-Ing.-Ök. Angelika Kalina
Sorgen, Erfahrung, Erfüllung
01069 Dresden
Wenn sich Frau Kalina Sorgen um die Perspektiven der heutigen Jugend macht, dann hat sie nicht nur die Enkel im Blick, sondern ihre eigene mit frühen Belastungen verbundene Kinderzeit im Bewusstsein. 1937 im lettischen Riga geboren, kam bald die Flucht, nach Kriegsende der Versuch nach Riga zurückzukehren. Doch der Zug brachte sie statt nach Lettland, in die Nähe des Urals. Innerhalb von vierzehn Tagen verloren Angelika und ihre beiden jüngeren Schwestern 1948 erst die Mutter, dann die Großmutter. Die Zehnjährige hatte die Beerdigung zu organisieren. Ein Kinderheim in Uspenske (Bezirk Kirow) nahm sie auf. Mit der Erzieherin Maria Nikolajewna fanden sie eine Vertraute, hier schloss Angelika mit sehr guten Noten die achte Klasse ab, doch statt weiterführender Studien stand die Entscheidung, die russische Staatsbürgerschaft anzunehmen. Inzwischen gelang es, Kontakte nach Deutschland herzustellen, wo der Vater nach Jahren der Kriegsgefangenschaft inzwischen in Dresden lebte. 1954 erhielten sie die Ausreisegenehmigung. Nun galt es zum ersten die deutsche Sprache wieder zu erlernen. Arbeit fand sie als Vertreter-Lehrerin für Russisch in einer Bibliothek, auf einem Elbdampfer. 1956 heiratete sie ihren Mann Winfried (verstorben 2013), der als Verschütteter ebenfalls unter den Auswirkungen des Krieges litt. Angelika Kalina brachte einen Sohn (1957) und zwei Töchter (1959 und 1964) zur Welt, erwarb einen Facharbeiterabschluss als Telefonistin. Im Rathaus Dresden-Land angestellt, wurde sie auf die Abendschule delegiert, konnte 1969 als Industriekauffrau abschließen. Sie engagierte sich in Partei (SED) und Gemeindevertretung von Dresden-Ockerwitz, arbeitete in der Personalabteilung des Ziegelwerks und erhielt nach einem Direktstudium 1973–1976 an der Dresdner Universität das Diplom als Ingenieurökonom. Seit diesem Zeitpunkt arbeitete sie im Bezirksbauamt, kümmerte sich u. a. um die Kandidaten, die in der Sowjetunion die Erdgasleitung „Drushba“ bauen sollten, war fast drei Jahre selbst am ukrainischen Standort Talnoje vor Ort, u. a. als Vorsitzende der Betriebsgewerkschaftsleitung. Zurück in Dresden übernahm sie Funktionen bei der Industriegewerkschaft Bau-Holz und beim Gewerkschaftsbund (FDGB), wo sie stellvertretende Vorsitzende in Dresden-Mitte wurde, aber beim Ende der DDR diese Strukturen mit abzuwickeln hatte. Die letzten Jahre bis zur Rente 1998 wirkte sie in der Auskunft der Telekom AG.