MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Betti und Werner Kahl
„Nach getaner Arbeit ist gut ruhn.“ (Sprichwort)
Feinstrumpffacharbeiterin
Instandhaltungsmechaniker
Waldkirchener Str. 18
09434 Zschopau OT Krumhermersdorf
Das Mädchen Betti Richter erblickte 1938 in Krumhermsdorf das Licht der Welt. Mit zwei Brüdern zusammen wuchs die Tochter eines Strumpfwirkers und einer Hausfrau (später auch in der Strumpffabrik angestellt) auf. Sie berichtet von einer schönen Kindheit, trotzdem Kriegs- und Nachkriegszeit diese Jahre überschatteten. 1944–1952 besuchte sie mit Freude die Schule, wäre danach gerne Friseurin geworden. Doch das ließ sich auf Grund der Lehrstellensituation nach dem Krieg nicht realisieren. Stattdessen musste sie in der Firma Wildeck (Socken-Produzent) zwei Jahre einen von ihr unerwünschten Beruf erlernen, wurde Feinstrumpffacharbeiter. Freude hatte sie daran nicht. Deshalb sann sie auf schnelle Änderung ihrer beruflichen Zukunft. Im Rathaus fand sie neue Herausforderung, arbeitete in der Steuerbuchhaltung. Doch auch mit der stupiden Büroarbeit war sie nicht glücklich. „Da war ich nicht lange, habe dann im Buntsockenwerk (in der Endproduktion) angefangen und das hat mit gut gefallen....“ berichtet sie vom erneuten Betriebswechsel. 1958 heiratete sie ihren Mann Werner. Die Kinder Uwe (geb. 1962, Baumaschinist, Taxiunternehmer) und Inka (geb. 1966, Krippenerzieherin) erblickten das Licht der Welt. Um der neuen familiären Situation gut gerecht werden und sich um die Kinder kümmern zu können, wurde Betti Kahl nun in Heimarbeit tätig (Repassiererin). Die politische Wende in der DDR beendete das. In Folge wechselten kurze Beschäftigungen mit arbeitslosen Zeiten. Betti Kahle kümmerte sich selbst, trug Zeitungen aus, übernahm die Betreuung ihrer Mutter bis zu deren Tod. „Das war eine ganz gute Frau....“ lobt Werner Kahl seine Schwiegermutter. Er wurde 1937 in Krumhermsdorf geboren. Der Vater war Tischler, die Mutter Hausfrau. Mit seinen beiden Geschwistern wuchs er behütet auf, umgeben von Tieren die der Familie zur Selbstversorgung dienten. Er erinnert sich, wie sein Vater ihm einen Taubenschlag baute, denn er hatte als Junge über 50 Tauben fliegen, wie er erzählt. 1951–1959 besuchte er die Schule. „So richtig begeistert war ich nicht von der Schule...“ berichtet er davon, froh gewesen zu sein als er die Lehre zum Instandhaltungsmechaniker antreten konnte. Als Facharbeiter in der Stumpffabrik Hermann Oehme (1972 zwangsverstaatlicht) verbleibend, wechselte er später dort in die Färberei und blieb zehn Jahre als Färber im Schichtsystem tätig, bis er in den VEB Buntsocken „Max Roscher“ wechselte. Eine spezielle Umschulung ermöglichte ihm dort den Einsatz als Mechaniker. In Folge der politischen Wende in der DDR und der damit einhergehenden Änderungen in den Betrieben, wäre sein weitere Einsatz dort nun noch auswärts möglich gewesen. Deshalb nahm er die Arbeit im Baubetrieb Hauke, später Baubetrieb Ihle auf, war hier erst im Lager, dann auf dem Bau selbst tätig „...bis es den Berg runter ging....dann habe ich aufgehört mit 58 Jahren...“ beendet er den Bericht über sein abwechslungsreiches Berufsleben. Das Ehepaar Kahl wohnt in einem der ältesten Häuser in Krumhermersdorf. Sie haben es liebevoll verändert, gebaut und gewerkelt. Mit Recht sind sie stolz auf ihr Lebenswerk, ihre beiden Kinder und die drei Enkel. „Wir haben mit unserem Sohn sein Haus gebaut und nach der Arbeit habe ich früher gedrechselt. Heute steht die Drechselbank still. Am liebsten mache ich gar nichts, ruhe mich einfach aus....“ sagt Werner Kahl und Betti Kahl ergänzt, dass heute der Erhalt der Gesundheit im Vordergrund steht. Sie pflegt ihre vielen Bekanntschaften und freut sich darüber mit einer Freundin aus der Schulzeit noch so guten Kontakt zu haben.