MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Dr. Ingrid und Rolf Jäntsch
„Die Bewegung des Lebens ist Lernen“ (Budda)
Nehlitzer Hauptstr. 27
06193 Petersberg
Fon: 03606 / 21602
1949 als Tochter einer Hausfrau und eines Steinsetzers / Bauleiters geboren, absolvierte sie später das Abitur mit Berufsausbildung zum Maschinenbauer und sagt heute: „Eine Maschine könnte ich nicht mehr reparieren.“ Was auch verständlich ist, denn ihre berufliche Ausrichtung änderte sich schnell. Sie studierte vier Jahre an der Martin-Luther-Universität Halle Wirtschaftswissenschaften, schloss 1972 als Volkswirtin ab. Sofort ein dreijähriges Forschungsstudium anschließend, übte sie während dieser Zeit Hochschultätigkeit aus und promovierte zum Thema „Einfluss der Erweiterung der Produktion auf die Effektivität des Reproduktionsprozesses – untersucht in der Sektkellerei Freyburg “. Sie erzählt, dass sie damals lieber ein Studium Arbeitspsychologie aufgenommen hätte aber auch Interesse an anderen Richtungen wie z. B. Medizin hatte. Doch das hätte ein Jahr Wartezeit bis zum Studium-Beginn bedeutet und sie war engagiert und ungeduldig, wollte gleich aktiv werden und vorwärts kommen. 17-jährig hatte sie ihren Mann Rolf kennengelernt, ihn 20-jährig bereits geheiratet und 1973 wurde Tochter Tiny geboren (Ärztin, Gesichts- und Kieferchirurgin, eigene Praxis ganzheitliche Medizin). Drei Jahre später vervollständigte Sohn Nino (Ökonom / Betriebswirt, im Rechnungswesen tätig) die junge Familie. Aufgrund der familiären Situation kam ihr ursprünglicher Wunsch in die Betriebe zu gehen, nicht mehr in Betracht. Die geregelte Arbeitszeit an der Universität ermöglichte bessere Betreuung für die Kinder und entsprechend entschied sich Dr. Ingrid Jäntsch dort ihre Arbeit fortzusetzen. Als Dozentin für Wirtschaft bildete sie Lehrer für Polytechnik bis zur Wende aus. Parallel dazu bereitete sie Handwerksmeister auf ihre Selbstständigkeit vor und rüstete sie mit dem notwendigen betriebswirtschaftlichen Wissen aus. Die Handwerkskammer pflegte langjährige Beziehungen zur Universität im Bereich der Ausbildung ihrer Meister. Von der Abwicklung der Wirtschaftswissenschaften an der Universität war sie als Lehrerbildner nicht betroffen. Das auszubildende Universitätsfach veränderte lediglich seinen Namen von Polytechnik in Wirtschaft und Technik, wobei Wirtschaft einen höheren Stellenwert erhielt. „Man wusste aber nicht, ob man nicht doch noch entlassen wird“, beschreibt sie die unstete Zeit und erzählt Überlegungen angestellt zu haben als Unternehmensberaterin tätig zu werden. Sie hielt Existenzgründer-Seminare und Unterricht bei der Handwerkskammer. Doch den Schritt in die Selbstständigkeit wollte sie nicht wagen. Der Bedarf zur Unternehmensberatung war zwar vorhanden, aber die finanziellen Mittel zur Inanspruchnahme fehlte den Betrieben. So blieb sie an der Universität, lernte selbst von Kollegen aus den alten Bundesländern und entwickelte entsprechende Parallelen in der eigenen Arbeit. Das Institut „überlebte“ und die anfänglich kleine Studentenschar wuchs zusehends. Mit 60 Jahren ging Dr. Ingrid Jäntsch über die Altersteilzeit in den Ruhestand. In das Ende ihrer Arbeitszeit fiel die Verlagerung des Studiengangs Wirtschaft / Technik nach Magdeburg. Diese Umstrukturierung führte dann doch noch zur Schließung des Instituts von der Dr. Ingrid Jäntsch aber nicht mehr betroffen wurde. Fünf Jahre arbeitete sie noch als externe Prüferin an der Universität und hielt Vorlesungen, denn der Wechsel aus dem Arbeitsleben in das Rentnerdasein fiel schwer. Dann entschied sie sich ihre Zeit mehr der Familie, vor allem den beiden Enkeln zu widmen. Viele Jahre war sie Volksvertreterin. Sie pflegte ihren Vater lange Zeit, steht heute ihrem erkrankten Mann (geb. 1938, Lehrer für Elektrotechnik, promoviert, lange Jahre Volksvertreter) zur Seite. Dr. Rolf und Dr. Ingrid Jäntsch sind besonders stolz auf ihre beiden Kinder und das 1979 – nach drei Jahren Bauzeit mit großer Eigeninitiative in Materialmangel-Zeit – bezogene Eigenheim. Der Garten ist für Dr. Ingrid Jäntsch nun Ort der Erholung. Der Umgang mit ihren Tieren, malen, lesen und Austausch mit Freunden entspannen sie. Ihr Mann liebt es, Dingen auf den Grund zu gehen, sie in Statistiken zu erfassen. Die Eheleute genießen den Austausch in der Familie, die gemeinsamen Feste und Feierlichkeiten.