MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Klaus und Gudrun Jänig
„Freu dich nicht über den der geht, ehe du nicht den gesehen hast, der kommt.“ (Aus Ägypten)
Bei lieben Freunden zu Gast
Reinharzer Str. 22 a
04838 Bad Düben
Fon: 034243 / 23459
Gudrun Jänig, geboren 1940, erinnert sich, dass ihr Vater (Kraftfahrer) als Panzerfahrer im Krieg eingesetzt war. Der junge Feldwebel der Wehrmacht erlebte beim Polenfeldzug mit wie seine Kameraden umkamen, verkraftete das Erlebte psychisch nicht. Schwer traumatisiert und erkrankt kehrte er zurück. Ihre Mutter war ab Eheschließung Hausfrau. 1946 kam das Mädchen Gudrun in die Schule, konnte ein Jahr eine Klasse mit erweitertem Russischunterreicht besuchen und 1958 an der EOS das Abitur ablegen. Der Wunsch Lehrerin zu werden war bei dem sprachinteressierten und sprachbegabtem Mädchen geboren. An der Karl-Marx-Universität Leipzig studierte sie, schloss als Lehrerin für Russisch und Englisch mit Staatsexamen diese Ausbildung ab. Der Studienlenkung und eventuell unliebsamer Versetzung in fremde Regionen entging sie durch die Eheschließung mit Klaus Jänig (1962). Bei ihren Eltern in Hoyerswerda fand sie Unterkommen, in Wittichenau lehrte sie. 1963 wurde Tochter Brita geboren und ein Jahr darauf konnte sich die kleine Familie über eine Wohnungszuweisung in Fürstenwalde freuen – dem Einsatzort ihres Mannes. In den Jahren 1966 und 1967 wuchsen der Familie die Kinder Sylvi und Sascha zu. Sieben Jahre blieben die Jänigs am Standort. Gudrun Jänig war in der Zeit an drei verschiedenen Schulen tätig und berichtet von einer Zeit mit großen Herausforderungen: Die Kinder klein, der Mann oft dienstlich abwesend, sie selbst voll berufstätig und gesellschaftlich gefordert. 1972 wurde Klaus Jänig an die Unteroffiziersschule Kamenz versetzt. Die Familie zog nach Hoyerswerda, 1974 nach Bad Düben. An der Wilhelm-Pieck-Oberschule lehrte Gudrun Jänig 15 Jahre lang. Sie war dankbar für die genossene Ausbildung, für die ihr ermöglichte Entwicklung, stolz auf ihren Werdegang und voller Überzeugung vom sozialistischen Gedanken als Parteimitglied auch bestrebt der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Entsprechend folgte sie der Bitte 1989 als Direktorin die Leitung einer anderen Schule zu übernehmen. Doch wenige Monate später kam die Wende. Alle Schuldirektoren und Parteisekretäre im Land Sachsen wurden entlassen. Als „einfache“ Lehrerin setzte sie ihre Berufstätigkeit fort, erhielt jedoch bald erneut eine Kündigung mit der Begründung auf Grund ihrer politischen Einstellung keine Erziehung im Sinne demokratisch-freiheitlichen Ordnung leisten zu können. In freien Schulen vorrübergehend tätig, erhielt sie in Sachsen-Anhalt später wieder eine Anstellung. Hier sah man die Leistung, pflegte keine Vorbehalte, unterstellte nichts. So unterschiedlich konnte es sein! An der Volkshochschule, mit Deutschunterricht für Flüchtlinge, und in einem Integrationskurs brachte sie sich zudem ein. Vorschulenglisch im Kindergarten, Zuwendung als „Vorleseoma“ sind ihr bis heute ein Bedürfnis. Klaus Jänig hat auch erlebt, was die Zeit der Wende mit sich brachte: Menschen wurden förmlich weggeworfen, auch wenn sie sich nichts hatten zu schulden kommen lassen. Der Sohn eines Elektrostrickers (geb. 1937) war erst acht Jahre alt als sein Vater (Unteroffizier der Wehrmacht und 34 Jahre jung) auf dem Weg in russische Kriegsgefangenschaft starb. Seiner Mutter (im „Elite-Diamant-Werk“ am Fließband bei der Herstellung von Fahrrädern und in Heimarbeit gearbeitet) gelang es den Sohn trotzdem gut auf den Weg zu bringen. Nach der Oberschule absolvierte er ein Jahr die Infanterieoffiziersschule in Plauen (damals: 1957–1959 noch Offiziersschule) und zwei weitere Jahre die Nachrichtenoffiziersschule in Döbeln. Als Nachrichtenoffizier eingesetzt, befördert und gefordert, wollte er Weiterentwicklung. 1974–1980 studierte er an der Karl-Marx-Universität Leipzig (Fernstudium), erlangte den Abschluss als Diplomlehrer Marxismus-Leninismus und arbeitete als solcher bis 1988. Mit vielen Dingen im Zweifel und in eigener Lektüre entsprechende Randnotizen vermerkend, führte das Auffinden dieser zu einer Parteistrafe und für ihn zur Konsequenz in den zivilen Bereich zu wechseln. Bis 1992 unterrichtete er an der Ingenieurschule für Polygrafie in Leipzig. Dann blieben nach der Wende die Studenten aus, was zu seinem Entschluss führte die Tätigkeit aufzugeben und seine Frau fortan in ihren Aufgaben zu unterstützen. Malen, fotografieren, lesen und reisen bereichern heute den Alltag der Eheleute. Drei Enkel und eine Urenkelin sind Freude und der Erhalt des Friedens beider Zukunftswunsch.