MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Harald Jäger
Zielstrebigkeit, Beharrlichkeit und Prinzipienfestigkeit und der Erfolg stellt sich ein
Mauerstr. 15
06842 Dessau-Roßlau
Harald Jäger, 1935 geboren, ist zugleich ein typisches, wie auch ein untypisches Beispiel für Entwicklungswege in der DDR, die das Bildungssystem unterstütze. Typisch, weil er als Sohn einer alleinerziehenden Mutter (Vater war im Krieg gefallen) und ohne finanzielles Hinterland einen Bildungsweg beschreiten konnte, bis zur Erlangung eines akademischen Grades – gestützt von Staat und Delegierungsbetrieb, durch Semestergebühren-Übernahme, Fahrkostenerstattungen, Freistelllungen von der Arbeit für die Teilnahme an Konsultationen, Seminaren, Weiterbildungen. Untypisch, weil er ursprünglich „nur“ die 8. Klasse abgeschlossen und Schlosser gelernt hatte. Weil nicht immer alles planmäßig lief, es ungewollte Unterbrechungen wie z. B. durch die Pflicht zum Grundwehrdienst gab, und es eigentlich keinen materiellen Anreiz gab, sich einer Entwicklung zu stellen und in der Ausbildungszeit weniger zu verdienen als zuvor im Schichtdienst. Aber auch, weil er seinen Weg mit einer enormen Hartnäckigkeit trotzdem verfolgte, eine stetige Entwicklung nahm und all das in nur einem Betrieb, dem Waggonbau Dessau. 1950 begann er hier seine Berufsausbildung, 1955 wechselte er von der Produktionsarbeit in die Lehrtätigkeit als Lehrausbilder für Schlosser. Das erste Abendstudium zum Meister der volkseigenen Industrie beendete er 1956 erfolgreich, erreichte 1959 mit dem Ablegen der Technikerprüfung an der Ingenieurschule für Schwermaschinenbau in Magdeburg ein weiteres Ziel. 24 Jahre war er, musste zur Armee, obwohl er kurze Zeit später sein Studium hätte abschließen können. Er kämpfte um vorzeitige Entlassung,
setzte die Bewilligung durch, um in einem 5-monatigen pädagogischen Komplexlehrgang die Lehrmeisterprüfung abzulegen und danach sein unterbrochenes Studium fortzusetzen, das er 1963 als Ingenieur abschloss. Das folgende Hochschulstudium an der TU Dresden stellte die größte Herausforderung an den jungen Mann dar. Ohne Abitur, kam er schnell an seine Grenzen, musste Defizite ausgleichen. Zum Aufgeben bewog ihn das nicht, im Gegenteil: Zweimal fiel er durch die Prüfung, ließ sich zurückstufen, fing erneut an. Als er schließlich 1972 die Urkunde mit dem akademischen Grad „Diplomingenieur“ überreicht bekam, enthielt sie nicht nur den erkämpften Titel, sondern auch das Prädikat „sehr gut“. Damit hatte er nach 18 Jahren Fern- und Abendstudium, neben der Arbeit täglichen Arbeitszeit im Betrieb, sein Ziel erreicht. Der ehemalige Schlosser des Waggonbau Dessau war indessen wissenschaftlich-pädagogischer Mitarbeiter des Direktors für Kader und Berufsbildung und seit 1975 dessen Stellvertreter. Er hatte neben der hohen fachlichen Kompetenz, logisches Denken erlernt, Durchhaltevermögen entwickelt. 1992 ging er über den Vorruhestand in die spätere Rente. Seine „Kämpfer-Gene“ glaubt er von seinem Vater geerbt zu haben und die nötige Unterstützung erhielt er von seiner Frau Elisabeth, mit der er seit 1972 in zweiter Ehe verheiratet ist. Auch sie animierte er, sich zu entwickeln, überzeugte sie zu einem 5-jährigen Fernstudium, das sie als Ökonomin abschloss. Es scheinen wirklich die Gene zu sein, die in der Familie zu Leistungen antreiben. Seine Tochter aus 1. Ehe war schließlich nicht nur Leistungssportlerin, sondern startete auch bei der Olympiade in Montreal und belegte hier einen 6. Platz. Die freie Zeit ab 1992 nutzte Harald Jäger, sich autodidaktisch Computerkenntnisse beizubringen, und sich gemeinsam mit seiner Frau im Orchideenverein und einer Wandergruppe zu engagieren. Auch heute noch hält er die Zügel seines Lebens fest in der Hand – jetzt mit dem Ziel die Gesundheit lange zu erhalten. Er informiert sich schon seit vielen Jahren mittels medizinischer Fachliteratur und entscheidet sehr bewusst, was davon er sich selbst „verordnet“.