MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Gudrun Jost
In der Heimat verwurzelt
Zigarrenmacherin
Meisterin der Milchwirtschaft
Mühlengrund 32
04703 Leisnig OT Polkenberg
Gudrun Jost, geb. Löffler, wurde am 23.10.1936 im sächsischen Polkenberg geboren. Ihre Mutter arbeitete als Zigarrenmacherin, der Vater fiel im Krieg. „Leider habe ich kaum Erinnerungen an ihn“, bedauert Gudrun, deren Stiefschwester ebenfalls sehr jung verstarb. „Ich habe im Prinzip mit meiner Mutter und meiner Großmutter allein gelebt, die mir eine sehr harmonische und freie Kindheit ermöglichten“, sagt sie. Von 1942–1950 besuchte Gudrun die Schule ihrer Heimatstadt. Im Anschluss absolvierte sie eine zweijährige Lehre als Zigarrenmacherin in Leisnig und war bis 1965 in diesem Betrieb tätig. 1959 heiratete sie ihren Mann Heinz Jost, der als Kraftfahrer beschäftigt war. Mit Matthias (*1965; Kraftfahrer) hat das Paar einen Sohn und mittlerweile zwei Enkel. Von 1965–1990 arbeitete Gudrun Jost in der ortsansässigen Molkerei und machte im Alter von 50 Jahren noch eine Weiterbildung in Leipzig mit Abschluss als Meisterin für Milchwirtschaft. „Wir haben manchmal vier Uhr früh angefangen. Wenn meine Schicht nachmittags zu Ende war, ging es nach Hause und hinaus auf das Feld. Dort warteten rote Johannisbeerbüsche und Kirschbäume darauf, abgeerntet zu werden. An Urlaub war in dieser Zeit nicht zu denken“, gibt Gudrun Jost Einblicke in ihren damaligen Alltag. Heute lässt es die Seniorin etwas ruhiger angehen. Nachdem 2010 ihr Mann kurz nach der Goldenen Hochzeit krankheitsbedingt verstorben war, kümmert sie sich nun selbst so gut es noch geht um Haus, Hof und Garten. „Ich lebe sehr gern hier und bin stolz darauf, was wir uns hier geschaffen haben“, sagt sie. Die schönen Erinnerungen an die gemeinsamen Jahre sind geblieben. Auch an ihre Mutter, die sie 1986 verlor, denkt sie noch oft. „Sie war für mich Vorbild und hat mich immer unterstützt“, erzählt Gudrun Jost, die ihre Zeit nun am liebsten mit der Familie und ihrem Lebensgefährten teilt. „Meine beiden Enkelsöhne sind mir richtig ans Herz gewachsen. Ich bin glücklich, wenn sie mich besuchen kommen“, berichtet sie. Auch Feiertage werden regelmäßig in liebevoller Gesellschaft begangen. Im Rahmen der täglichen Hausarbeit hat Gudrun Jost oft das Radio an und erfreut sich an schöner Musik. „Ich komme ja nicht mehr viel raus, da ist das eine willkommene Abwechslung“, verrät sie, die ihren Mann seinerzeit beim Tanzen kennenlernte. Damals engagierte sich das Paar auch viele Jahre bei der Freiweilligen Feuerwehr in Polkenberg. Für die Zukunft hat Gudrun Jost keine großen Wünsche mehr und ist mit ihrer Situation zufrieden. „Ich habe Glück, dass ich gesundheitlich bisher nie mit großen Problemen konfrontiert war. Wenn ich so noch ein paar Jahre im Kreise meiner Lieben alt werden könnte, wäre alles gut“, hofft sie und blickt zurück auf arbeitsreiche, aber auch viele glückliche Jahrzehnte ihrer persönlichen Biographie.