MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN

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Elke und Klaus Joost

„Begeisterung ist der Schlüssel zum Glück“ (Ursula Kohaupt)

Elke und Klaus Joost

Am Hanfgarten 32
06847 Dessau-Roßlau
Fon: 0340 / 512455

Das Mädchen Elke wurde am 21.04.1945 im Keller – Schutz vor den Kriegsgeschehnissen und den einmarschierenden Amerikanern – geboren. Ihre frühe Kindheit stand fortan unter dem Stern der Nachkriegszeit: Der Vater kehrte krank aus dem Krieg zurück und verstarb als sie erst drei Jahre alt war. Eine der drei Schwestern erlag einer schweren Infektionskrankheit. Die Mutter erhielt 37 Mark Witwenrente, musste 42 Mark Steuern zahlen. Wie sollte das gehen? Sie ging bei einem Bauern in Stellung, konnte die kleine Familie mehr schlecht als recht über Wasser halten. Das bedeutete für Elke nach der 8. Klasse schnell ins Geldverdienen zu kommen. Ihre Mutter sagte: „Du wirst Schneider und fertig!“. So wurde sie Herrenschneiderin, arbeitete nach Ende der Lehre bei einem privaten Schneider. 17 Jahre war sie alt, als ihre Mutti starb. Als Hilfsschwester nahm sie nun eine Arbeit im Krankenhaus auf, erlangte im Fernstudium nebenher ihr Staatsexamen als Kranken- und Säuglingsschwester. Als Schwester auf Kinderstation, beim Internisten in der Poliklinik und als Gemeindeschwester war sie tätig, bevor sie für ihren dritten Beruf – Rinderzüchterin – den Facharbeiterbrief erlangte. Ihre Zwillinge Lars und Egbert wurden 1973 geboren (Lars: Koch- und Kellnerlehre abgeschlossen, Betriebswirtschaft studiert; Egbert: Chemiefacharbeiter mit Abitur, heute Hauptmann; 1979 folgte Sohn Ròman: Informatikstudium, arbeitet in Australien) und sie wollte nach der Babypause im neuen Beruf arbeiten. Aus dem Gesundheitswesen in eine andere Tätigkeit zu wechseln war jedoch nicht erwünscht, entsprechend war es schwer einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Es gelang schließlich mit einer Anstellung am Theater. 30 Jahre schneiderte sie hier die Herrenkostüme, ging 2009 in die Rente. Eine kreative, eine schöne Zeit mit Kontakten zu vielen Künstlern, von denen sie Anni Lindemeer besonders beeindruckt hat. Noch heute gehört das Nähen zu den Lieblingsbeschäftigungen von Elke Joost, historische Kostüme inbegriffen. Der Garten beschert zudem viel Arbeit und Freude, die sie ebenso im Puppenclub erlebt und viele Jahre im Chor hatte. In der Nationalen Front und im Ortschaftsrat hat sie sich über Jahre gesellschaftlich betätigt, mit Enthusiasmus, Durchsetzungskraft und viel Herzblut. Seit 1973 ist sie mit Klaus Joost, geboren 1944, verheiratet. Auch er wuchs Vaterlos auf (aus dem Krieg nicht zurückgekehrt, 21 Jahre alt, vermisst in Russland) und lernte nach Abschluss der 8. Klasse einen Beruf. Maurer wolle er werden – Maurer wurde er. Im Baukombinat Dessau arbeitete er, im Grünflächenwesen und der ZBO war er beschäftigt. Verschiedene Befähigungsnachweise und Berechtigungsscheine erwarb er, um beruflich alle Aufgaben erfüllen zu können. An dem Entstehen vieler Neubaugebiete hatte er Anteil. Manchmal kommt Wehmut auf, wenn er daran denkt, wie schwer es in der DDR war eine Neubauwohnung zu erhalten, wie stolz man war wenn es gelang und wie schnell diese heute dem Abriss zum Opfer fallen. Seit dem Ruhestand 2004 hat er das vom Paar bewohnte Elternhaus seiner Frau „umgeformt“, wie er es nennt. Lesen und Garten sind sein Hobby, Besuch der Kinder aus Australien großer Wunsch der Eheleute.
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