MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Renate Junold
Ein Leben im Thüringer Holzland
Fotolaborantin
07629 Hermsdorf
In Klengel, wenige Kilometer westlich vom thüringischen Eisenberg kam Renate Junold 1936 zur Welt. Der Vater kehrte aus dem Krieg nicht zurück, Mutter arbeitete als Fabrikarbeiterin in drei Schichten, drei weitere Geschwister gehörten zur Familie. Nach der 8. Klasse blieb die junge Renate erst einmal ein Jahr zu Hause, kümmerte sich um Haushalt und Viehzeug. Eine zweijährige Lehre in Jena machte sie zur Fotolaborantin. Bei den Keramischen Werken in Hermsdorf, das Thüringer Holzland am Autobahnkreuz A4 / A9 sollte ihr ganzes Leben bestimmen, fand sie Arbeit im Labor. Nach der Heirat 1957 blieb sie zwei Jahre Hausfrau – ein Jahr getrennt von ihrem Mann bei ihrer Mutter –, bis sich im nahen Graitschen bei Bürgel Wohnraum fand. Im Schamottewerk Eisenberg agierte sie wieder im Labor, ehe 1962 die erste Tochter zur Welt kam. Zwei Jahre musste sie nun wieder zu Hause bleiben, weil sie keinen Krippenplatz bekam. Als ihr Mann Klaus, Angehöriger der Deutschen Volkspolizei, nach Gniebsdorf (heute Stadtteil von Bürgel) als Abschnittsbevollmächtigter (ABV) versetzt wurde, wohnten sie in den Gebäuden des dortigen Schweinehofes, hörten täglich das Quietschen und Grunzen von zweihundert Exemplaren. 1966 kam die zweite Tochter, der 1972 ein Sohn und 1976 die dritte Tochter folgen sollten. Ab 1968 arbeitete sie im Schreibbüro der Kreisleitung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), besuchte an der Volkshochschule dazu Kurse in Maschineschreiben und Stenographie. 1972 zogen sie nach Eisenberg, wo ihr Mann nunmehr im polizeilichen Innendienst eingesetzt war. Bis zum Ende der SED als staatstragende Partei 1990 war sie geschätzte Büromitarbeiterin, dann folgten Vorruhestand und Rente. Im Dörfchen Göritzberg glaubten Renate und Klaus Junold 1995 ihren Ruhesitz gefunden zu haben, freuten sich vor allem am Garten, doch die Einsamkeit des abgeschiedenen Fleckens behagte ihr nicht. Hier kam nicht einmal der Briefträger täglich vorbei, denn auch ihr Haus lag weit vom Schuss. Als Klaus Junold 2012 starb, war der Umzug nach Hermsdorf bereits in Vorbereitung, den sie dann alleine vollziehen musste. Einmal in der Woche geht sie nun zum Seniorentanz, hat also wieder Anschluss gefunden. Da die Kinder entfernt wohnen, ist der Kontakt zu den drei Enkeln nur gelegentlich möglich. Nach wie vor liebt sie das Kochen, vorzeiten hatte sie gelegentlich als Aushilfe gearbeitet, auch in der Zeit bei der SED-Kreisleitung die Büffets erstellt.