MENSCHEN - GESICHTER DER REGIONEN
Sonja John
Menschenfreundlichkeit, praktisch
Großhandelskauffrau
Kursleiterin
Pestalozzistr. 2
06766 Wolfen
Für Sonja John war es (und ist es heute noch) fast wie selbstverständlich, dort zu helfen, wo sie gebraucht wird. In ihren jungen Jahren war es die Gaststätte, die der Vater vom Großvater übernommen hatte. Da gab es für die Familie auch schwere Zeiten, als die DDR-Staatsmacht den Vater wegen angeblicher feindlicher Propaganda zwei Jahre ins Gefängnis schickte. 1938 in Mügeln geboren, besuchte die junge Sonja die Schule in Altmügeln bis zur 8. Klasse. Danach schloss sich eine dreijährige Lehre im Großhandel an, nach deren Ende sie als Einkäuferin für den Verband der Konsum-Genossenschaften arbeitete. Als sie mit ihrem Mann nach Wolfen zog, begann sie im Rechenzentrum des dortigen VEB Farbenfabrik (später Teil des Chemiekombinates Bitterfeld CKB), dazu nutzte sie die Chance, ihr Interesse an künstlerischem Gestalten vor allem im Textilbereich auszubauen, wurde dafür vom Betrieb zur Ausbildung in Richtung anleitende Tätigkeit für die betrieblichen Gruppen der Freizeitgestaltung nach Halle (Saale) an die Bezirksakademie für Kulturarbeit auf der Burg Giebichenstein delegiert. 1981 hörte sie im Rechenzentrum auf, widmete sich ganz ihrer freiberuflichen Tätigkeit als Zirkelleiterin an den betrieblichen Klubhäusern und dem Entwurf von Boutique-Bekleidung. 1958 hatte sie ihren Mann Peter geheiratet, der einst ebenfalls in Mügeln in der Nachbarschaft beheimatet war. Nach einer Ausbildung zum Diplom-Chemiker an der Merseburger Hochschule war er ab 1963 in Wolfen eingesetzt, so dass die Familie, zu der inzwischen schon zwei Söhne gehörten (Lutz, 1957 geboren, und Frank, 1958), in die Chemiestadt wechselte. Der frühe Tod des Mannes, zwei Tage nach dem Fall der Berliner Mauer im November 1989, schien die Existenz von Frau John ernsthaft zu gefährden, denn der Hauptverdiener der Familie fiel aus. Doch Sonja John konnte sich bald mit verschiedenen Standbeinen etablieren. Nach dem Besuch eines diesbezüglichen Lehrgangs in Celle (Niedersachsen) war sie qualifiziert, um Kurse im Bereich Gesundheitssport zu leiten. Die ersten fünf Jahre wirkte sie auf Basis einer städtischen Arbeitsbeschaffungsmaßnahme als Freizeitpädagogin. Daneben gründete sie 1994 den bis heute existierenden „Verein für kreatives Gestalten e. V.“. Die von ihr geleitete Selbsthilfesportgruppe für Osteoporose, die Kurse an der Volkshochschule, die Arbeit mit Senioren wie mit dem Nachwuchs im Sportbereich, dazu die eigene kreative Tätigkeit im Textil- und Designbereich füllen ihr Leben bis heute voll aus. Freude hat sie aber natürlich auch an den drei Enkelkindern und der ersten Urenkelin. Freizeitausgleich war lange Zeit das Segeln mit ihrem Mann auf dem Muldestausee bei Pouch.